Die Ich-Pleite

Der größte Nachteil vom Home-Office

Carolina Frank
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Zuhause sind vielleicht keine menschlichen Nerven­sägen, aber auch die Dinge können einen nerven.

Hätte man mich vor ein paar ­Jahren gefragt, ob Home-Office auch Nachteile hat, hätte ich gesagt: Im eigenen Wohnzimmer ungestört mit Blick in den Park arbeiten statt zu sechst in einem kahlen Büro, wo einen dauernd jemand fragt, ob irgendetwas schon fertig ist, das nie fertig werden kann, weil man ständig gefragt wird? Nein, hätte ich gesagt: Mir fallen keine Nachteile ein. Nur die Kollegen ­würden mir totaaaal abgehen. Jetzt weiß ich, dass das keine Lüge gewesen wäre. Denn auch im c ist man nicht allein. Da sind zwar vielleicht keine menschlichen Nerven­sägen, aber auch die Dinge können einen nerven. Da wäre zum Beispiel die Besteckschublade. Egal, wie sorgfältig ich sie einräume, immer verhakt sich ein Schneebesen oder ein ­Pfannenwender, sodass ich tagelang nur mehr bis zu den Kuchengabeln komme.

Nicht, dass ich Kuchengabeln nicht eh oft bräuchte, aber man fühlt sich genauso ohnmächtig wie damals beim Kollegen, der ein Deo als Luxus verstand, auf den man leicht verzichten kann. Verstopfte Uhu-Tuben oder Seifenspender können einen auch wahnsinnig machen. Aber die mit Abstand doofsten Dinge sind die Obstfliegenfallen. Eigentlich sollten sich die Obstfliegen von der Flüssigkeit in der Falle angezogen fühlen. Wie die Maus vom Käse. Aber das funktioniert nicht. Ich weiß es, denn ich habe ­mehrere aufgestellt. Obstfliegenfallen­flüssigkeit muss für eine Obstfliege so etwas sein wie Haferschleim für mich. Das esse ich nur, wenn mir gar nichts anderes mehr übrig bleibt. Deshalb steh’ ich jetzt schon immer mit dem Putzschwamm bereit, kaum dass mir ein Krümel oder ein Tropfen von irgendetwas runterfällt. Das ist wahrscheinlich der einzige wirklich größte Nachteil vom Home-Office. Es scheucht uns zurück an den Herd. (Die Presse Schaufenster, 27.10.2023)

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