Interview

Einmal alles außer China, bitte !

„Wir sind eben nicht mehr in der Ära der Nullzinsen“, sagt der Ökonom David Hauner.
„Wir sind eben nicht mehr in der Ära der Nullzinsen“, sagt der Ökonom David Hauner.Michele Pauty
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Die Schwellenländer aus der zweiten Reihe profitieren von der wachsenden Distanz des Westens zu Peking, sagt der Ökonom David Hauner. 

Die meisten Allianzen entstehen, weil ihre Mitglieder ein gemeinsames Interesse eint. Nicht so bei den Brics-Staaten. Brasilien, Russland, Indien und China sind politisch und wirtschaftlich höchst unterschiedlich und sie waren es auch, als die Investmentbank Goldman Sachs 2001 auf die Idee kam, sie unter dem neuen Kürzel in einen Topf zu werfen, um ihren Anlegern die vier damals größten Schwellenländer schmackhaft zu machen. Goldman Sachs hat seinen Brics-Fonds inzwischen längst geschlossen, die fünf Mitglieder (Südafrika stieß wenige Jahre später dazu) haben aber Gefallen gefunden an ihrem Klub und erweitern ihn mit Anfang 2024 um sechs neue Staaten. 

Die Brics-Staaten haben kürzlich damit überrascht, sechs neue Mitglieder aufnehmen zu wollen. Was wird der Beitritt von Saudi­arabien, Iran, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Argentinien, Ägypten und Äthiopien verändern?

David Hauner: Die wirtschaftlichen Verbindungen der Brics mit manchen der neuen Mitglieder sind im Grunde sehr gering. Lediglich die engere Bindung an weitere Ölexporteure macht auch wirtschaftlich Sinn. Aber man muss bedenken, dass das ganze Brics-Konzept ja nie ein klares Ziel wie eine Freihandelszone verfolgt hat, sondern vielmehr ein Gegengewicht zu den westlichen Industrienationen aufbauen soll. Die Erweiterung der Brics ist vor allem ein weiteres Symptom der globalen Blockbildung, die leider stattfindet.

Heute ist vielleicht das Einzige, was Brasilien, Russland, China, Indien und Südafrika eint, der Wunsch eine multipolarere Welt zu schaffen. Kann es gelingen, das künstlich geschaffene Bündnis mit politischem Leben zu füllen?

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