Telekom-Ausfall

„Zurück in der Steinzeit“: Wie ein Internet- und Handy-Crash Australien lahmlegte

Die St.-Mary‘s-Kathedrale in Sydney.
Die St.-Mary‘s-Kathedrale in Sydney. APA / AFP / Saeed Khan
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Das Netzwerk von Optus, der zweitgrößten Telekomfirma Australiens, fiel am Mittwoch in Australien über mehr als zwölf Stunden aus. Vielfach war Chaos die Folge.

Im kontinentgroßen Staat Australien mit seinen rund 26 Millionen Einwohnern blieb am Mittwoch (Ortszeit) eine Menge Arbeit liegen: Ein landesweiter Ausfall des Mobil-, Telefon- und Internetnetzwerks beim Kommunikationsanbieter Optus traf nicht nur zehn Millionen Privatkunden. Auch Züge standen zeitweise still, Krankenhäuser, Medien und Bezahlsysteme gerieten in Probleme.

Laut der Website DownDetector, die Internet- und Mobilfunkausfälle dokumentiert, kamen die ersten Meldungen über einen Ausfall des Optus-Netzwerks gegen vier Uhr morgens in den östlichen Zeitzonen auf. Kurz vor sechs folgte eine Flut an Meldungen, mehr als 8000 Störmeldungen erreichten die Seite. Optus ist nach Telstra der zweitgrößte Kommunikationsanbieter des Landes. Millionen Menschen konnten weder über Handy noch übers Festnetz telefonieren oder das Internet nutzen. Rein die SOS-Funktion war bei Handys weiter verfügbar.

No, an diesem gestrigen Mittwoch ging mit Systemen von Optus in Australien gar nichts mehr. Im Bild ein Opus-Laden in Sydney.
No, an diesem gestrigen Mittwoch ging mit Systemen von Optus in Australien gar nichts mehr. Im Bild ein Opus-Laden in Sydney.Reuters

Optus meldete sich mit Verspätung zu Wort. Gegen 6:45 Uhr hieß es, man sei „sich eines Problems bewusst, das sich auf die Mobil- und NBN-Dienste von Optus auswirkt“ und arbeite daran, die Dienste wiederherzustellen. Um 8:30 Uhr versprach die Firma über X (früher Twitter), so schnell wie möglich Updates bereitzustellen und entschuldigte sich. Danach herrschte jedoch stundenlange Funkstille im wahrsten Sinne des Wortes.

„Tiefgreifendes Netzwerkproblem“

Neben mehr als zehn Millionen Privatkunden, also fast 40 Prozent der australischen Bevölkerung, waren auch 400.000 Unternehmen und einzelne Geschäfte betroffen. Zahlreiche kleinere Telekomanbieter, die das Optus-Netzwerk nutzen, fielen ebenfalls aus, darunter Amaysim, Coles Mobile und Dodo. Krankenhäuser und Arztpraxen waren nicht erreichbar, in Melbourne standen zeitweise die Züge still, was vor allem bei Maturanten zu Panik führte, die pünktlich zu ihren Prüfungen erscheinen sollten.

Zeitungen wie der Sydney Morning Herald und The Age (Melbourne) konnten nicht pünktlich zugestellt, etliche Taxifahrer des Anbieters Uber konnten nicht auf die App zugreifen, auch andere Taxianbieter sowie viele Essenszusteller waren nicht erreichbar. Probleme gab es im ganzen Land, in den Ballungsräumen von Sydney, Melbourne und Brisbane ebenso wie in Perth, Darwin, Canberra, Port Augusta oder im Outback.

>> Siehe optus.com.au

Nachdem Optus über Stunden nur spärlich kommunizierte, schaltete sich Kommunikationsministerin Michelle Rowland ein – immerhin mit der Information, dass ein „tiefgreifendes Netzwerkproblem“ hinter dem Ausfall stecke. Was genau den Ausfall ausgelöst hatte, war jedoch vorerst unklar. Laut Rowland gab es zuletzt keine Informationen, die auf einen Cyberangriff hindeuteten. Letzteres betonte mit großer Verspätung auch die Geschäftsführerin von Optus, Kelly Bayer Rosmarin.

Probleme im bargeldlosen Australien

Tausende Menschen arbeiteten letztendlich von Cafés und Einkaufszentren aus, die das konkurrierende Telstra-Netzwerk anbieten konnten. Telstra entstand aus der nationalen Post- und Telegrafenverwaltung und entspricht A1 in Österreich.

Vor allem in den endlos großen ländlichen Regionen, die zudem häufig von Buschfeuern betroffen sind, bereitete der Kommunikationsausfall ernsthafte Sorgen. Warnungen vor Bränden werden in Australien ebenfalls über eine App verschickt. Aber auch im Rest des Landes häuften sich die Unannehmlichkeiten: Ein Mann berichtete dem Sender ABC, er habe am Morgen zunächst gedacht, er sei von seinem Arbeitgeber entlassen worden, nachdem weder sein Arbeitstelefon noch sein Laptop funktionierten. Ein anderer berichtete, dass er mit seiner kleinen Firma bereits am Morgen einen Verdienstausfall von rund 1500 Dollar, umgerechnet rund 900 Euro, gehabt habe.

Eine Frau erzählte, dass die automatische Fütterungsanlage für ihre Katze ausgefallen sei, ein Cafébesitzer beschwerte sich, dass sein Zahlungsterminal nicht mehr funktionierte. „Kunden können ihre Rechnungen nicht bezahlen“, sagte er, und monierte: „Die Menschen sind zurück in der Steinzeit.“ In Australien benutzt mittlerweile kaum noch jemand Bargeld.

Gewaltiger Hackerangriff 2022

Erst nach mehr als zwölf Stunden konnten die Optus-Dienste repariert werden. Der Vorfall ist nicht das erste Mal, dass Optus fast die Hälfte der 26 Millionen Australier sowie ausländische Touristen und sonstige Besucher, die etwa eine Optus-SIM-Karte für ihr Handy kaufen, in Probleme bringt: Im September 2022 wurden bei einem Hackerangriff auf das Unternehmen die Daten sämtlicher rund zehn Millionen Kunden gestohlen. Darunter waren Namen, Geburtsdaten, Adressen, Telefon- und E-Mail-Kontakte sowie Pass- und Führerscheinnummern. Damals schaltete sich die australische Bundespolizei ein, selbst die US-Bundespolizei FBI wurde zu Hilfe gerufen.

Einige Experten nannten diesen Vorfall die schlimmste Datenschutzverletzung in der Geschichte Australiens. Doch trotz der Ernsthaftigkeit der Situation dauerte es damals mehrere Tage, bis die Optus-Chefin die betroffenen Kunden anschrieb und informierte.

Optus, ursprünglich ein australisches Unternehmen mit Beteiligung britischer und US-Firmen, ist seit 2001 eine Hundert-Prozent-Tochter der Telekomfirma Singtel in Singapur.

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