Ladestellen

Elektrifizierte Garagen sollen Immobilien nachhaltig aufwerten

Im gewerblichen Garagenbetrieb kommen immer mehr Schnellladestationen zum Einsatz.
Im gewerblichen Garagenbetrieb kommen immer mehr Schnellladestationen zum Einsatz. Getty Images
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Konzepte für Elektromobilität können den ESG-Score und somit den Wert einer Immobilie deutlich steigern. Allerdings sind dabei noch einige Fragen zu klären.

Knapp 144.000 Elektrofahrzeuge sind in Österreich derzeit zugelassen, vor drei Jahren waren es noch um 100.000 weniger. Der Markt wächst: „Aus unserer Sicht steigen vor allem viele Unternehmen auf umweltfreundlichere und kosteneffizientere Transport- und Parklösungen um“, sagt Payuca-Co-CEO Wolfgang Wegmayer. Aber auch die Flotte von E-Fahrzeugen bei Privaten nehme rasant zu. Wegmayer kennt die Beweggründe: „Unternehmen und Privatpersonen erwerben auch deswegen zunehmend E-Fahrzeuge, um von niedrigeren Betriebskosten und Steuern zu profitieren.“ Tatsächlich wurden im September 2023 mehr Elektro- als Dieselfahrzeuge zugelassen.

Schnell oder billig laden

Damit stellt sich zunehmend das Thema der Ladestationen: Denn die etwas mehr als 22.000 öffentlichen Ladepunkte werden in Zukunft nicht reichen, um den Energiehunger der Fahrzeuge in Österreich zu stillen. „Im Gewerbebereich ist die Schaffung eines flächendeckenden Netzes von Schnellladestationen wichtig, dessen Verfügbarkeit die effizientere Nutzung der E-Fahrzeuge ermöglicht“, betont Wegmayer.

»Wallboxen in den privaten Tiefgaragen würden reichen, um den Bedarf abzudecken – aber da hinkt die Branche hinterher.«

Wolfgang Wegmayer

Co-CEO Payuca

Das Problem ist allerdings, dass diese Art des Ladens viel kostenintensiver ist im Vergleich zum langsamen Laden am Stellplatz zu Hause. „Wallboxen in den privaten Tiefgaragen würden reichen, um den Bedarf abzudecken – aber da hinkt die Branche hinterher.“ Gemeinsam mit dem Energieunternehmen Verbund bietet Payuca daher ein Contracting-Modell an, bei dem Immobilieneigentümer lediglich ein Drittel der Kosten für Ladeinfrastruktur bezahlen – vorausgesetzt, sie binden sich zehn Jahre an den Bezug von Ökostrom bei Verbund. „Die Elektrifizierung von privaten und gewerblichen Garagen sollte nach unserer Einschätzung bald zum Standard werden“, sagt Wegmayer.

Immobilienwert steigern

Das würde auch den Wert der Immobilie beeinflussen, wie Peter Engert, Geschäftsführer der Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (Ögni), erläutert: „E-Mobilität-Konzepte haben eine erhebliche Bedeutung für das ESG-Ranking einer Immobilie.“

»E-Mobilität-Konzepte haben eine erhebliche Bedeutung für das ESG-Ranking einer Immobilie.«

Peter Engert

Geschäftsführer Ögni

Georg Greutter, Geschäftsführer des Energieberatungsunternehmens The Renewablers, hebt hierbei den ökonomischen Aspekt der Nachhaltigkeit hervor: „In Unternehmen ergeben sich für den Einsatz von rein elektrisch betriebenen Fahrzeugen enorme wirtschaftliche Vorteile.“ So kann zum Beispiel beim Firmen-Pkw mit privater Nutzung die Vorsteuer abgezogen werden und es fällt für den Dienstnehmer kein Sachbezug an. „Mit diesem Steuervorteil sind die Unternehmer wie auch die Mitarbeiter von Dienstfahrzeugen zur privaten Nutzung wirtschaftlich rasch überzeugt“, so Greutter.

Ungeklärte Fragen

Für Firmen selbst liegt die Herausforderung daher darin, eine entsprechende Ladeinfrastruktur zu bieten. Dabei müssen Netzkapazitäten, Kostenzuordnung und Abrechnung von Anfang an berücksichtigt werden. „Hier entstehen nicht unerhebliche Nebenkosten, die zum Beispiel bei der Fuhrparkumstellung von Verbrennern auf E-Mobilität oft nicht ganzheitlich berücksichtigt werden“, weiß Greutter. Zudem ist die Weiterverrechnung von „privatem“ Strom noch nicht ausreichend geregelt, wenn der Firmenwagen zu Hause geladen wird.

Der Unternehmensberater wirft noch ein weiteres Thema auf: „Worüber derzeit niemand spricht, was aber auch zu berücksichtigen ist, sind Arbeitszeitverluste.“ Speziell im Außendienst oder bei Auslieferungsservices, wenn während der Arbeitszeit die Fahrzeuge geladen werden. Greutter: „Um hier Klarheit herzustellen, ist eine entsprechende Car-Policy wichtig, die den dienstlichen Umgang mit E-Fahrzeugen und die Vorgangsweise beim Laden eindeutig regelt.“

Rund um die E-Mobilität entwickeln sich immer mehr neue Ideen und Kooperationen. Das Greentech-Start-up Swobbee hat seine ersten Batterie-Wechselstationen in Österreich installiert. Das Berliner Unternehmen hat sich mit dem schwedischen Mikromobilitäts­pionier Voi und dem Parkplatzbetreiber Apcoa Parking zusammengetan, um eine intelligente und dezentrale Lade- und Wechsel­infra­struktur für die boomende Mikro­mobilität, also elektrische Kleinst­fahrzeuge und Transportmittel wie Elektro-Lastenräder oder E-Scooter, aufzubauen.

Zusätzliche Ertragschance für Eigentümer

„Wir sehen bereits in vielen internationalen Städten einen Trend zur elektrischen Zustellung auf der sogenannten letzten Meile“, berichtet Stefan Sadleder, Geschäftsführer von Apcoa Parking in Österreich und der Schweiz. „Unsere Garagen bieten sich durch die gute Anbindung an das Wegenetz und unser Know-how im Betrieb von ‚Urban Hubs‘ als Knotenpunkte im innerstädtischen Logistiknetz an.“ Die Vorteile für die Städte, aber auch für die Logistiker liegen auf der Hand. Einerseits entstehen weniger Emissionen durch Dieselfahrzeuge, andererseits sind die elektrischen Zustellfahrzeuge deutlich wendiger im Stadtverkehr und flexibler beim Parken. Für Liegenschaftseigentümer hingegen bieten die Standorte interessante Zusatzeinnahmen.

E-Mobilität und Immobilien

Den höchsten Zuwachs an Kfz-Zulassungen in Österreich gab es mit rund 35 Prozent bei alternativ betriebenen Pkw, die im Zeitraum Jänner bis September 2023 fast die Hälfte aller Pkw-Neuzulassungen ausmachten. Die Folge: Immer mehr Ladeinfrastruktur wird benötigt – in Gewerbe- wie in Wohnbauten. Wallboxen in privaten und Schnellladestationen in öffentlichen Garagen sind gefragt, zudem ist solche E-Ladeinfrastruktur wichtig für das ESG-Ranking einer Immobilie.

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