Studie

Fertiggerichte und Softdrinks erhöhen das Multi-Krankheitsrisiko

Hochverarbeite Fleischprodukte können die Gesundheit langfristig schädigen.
Hochverarbeite Fleischprodukte können die Gesundheit langfristig schädigen. APA / APA / Georg Hochmuth
  • Drucken

Laut einer groß angelegten Studie, an der auch Wiener Forscher beteiligt waren, können hoch verarbeitete Lebensmittel das Risiko, an mehreren Krankheiten wie Krebs und Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems gleichzeitig zu leiden, langfristig erhöhen. Kein Risiko bestand bei pflanzlichen Alternativen zu tierischen Produkten.

Wer viele Lebensmittel konsumiert, deren Zutaten vor dem Verzehr industriell stark modifiziert wurden, hat langfristig eine etwas höhere Chance, mehrere Krankheiten gleichzeitig zu entwickeln. Das ist das Ergebnis einer groß angelegten Analyse im Fachblatt „The Lancet Regional Health - Europe“ unter Beteiligung von Wiener Forschern. Den stärksten negativen Effekt hatten demnach hochverarbeitete Fleischprodukte und gesüßte Softdrinks.

Ein Merkmal von sogenannten hochverarbeiteten Produkten (Ultra-processed foods, UPF) ist, dass darin viele Zusatzstoffe vermischt werden, und diese Lebensmittel in der Form nicht in einer üblichen Küche zuhause hergestellt werden könnten. Über die Wirkungen und möglichen unerwünschten Nebenwirkungen solcher in den Supermärkten dieser Welt äußerst präsenten Produkte wird seit Jahrzehnten viel diskutiert. Eine europaweite Forschungsgruppe unter der Leitung von Studien-Erstautorin Reynalda Córdova vom Department für Ernährungswissenschaften der Universität Wien hat nun Daten aus der „European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition“-Erhebung (EPIC) als Ausgangspunkt für eine breite statistische Aufarbeitung des Themas genommen.

300.000 Personen befragt

Darin gaben zwischen den Jahren 1992 und 2000 zahlreiche Menschen über ihre Ernährung und Lebensstil Auskunft. Dazu kamen genetische Informationen, sowie Daten zu Umweltrisikofaktoren und zum Auftreten von Krebs und anderen Erkrankungen. In die nunmehrigen Auswertungen gingen Informationen von 266.666 Personen aus sieben Ländern Europas - nicht allerdings aus Österreich - ein. Im Durchschnitt nahmen die Teilnehmer zwischen 413 Gramm (bei Männern) und 326 Gramm (bei Frauen) an hochverarbeiteten Produkten täglich zu sich, schreiben die Forscher in ihrer Arbeit.

Bei erneuten Erhebungen, die im Schnitt rund elf Jahre nach den Befragungen stattfanden, berichteten 4.461 Teilnehmerinnen und Teilnehmer über sogenannte „Multimorbiditäten“ - also mehrere Erkrankungen gleichzeitig. Im Zusammenhang mit der Studie waren dies Krebs und Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems bzw. des Stoffwechsels (kardiometabolische Erkrankungen). Insgesamt stieg das Risiko, eine solche Multimorbidität zu entwickeln, ab einem UPF-Verzehr (exklusive alkoholischer Getränke) von rund 260 Gramm pro Tag.

Kein Risiko bei pflanzlichen Alternativen

Der verstärkte Konsum von Lebensmitteln mit hochverarbeiteten tierischen Produkten und künstlich hergestellten, mit Süßstoffen oder Zucker gesüßten Getränken ging laut der Analyse mit den deutlichsten Zunahmen der Multimorbiditäts-Wahrscheinlichkeit einher. Keine statistisch signifikante Risikoerhöhung ging hingegen von stark verarbeiteten Getreideprodukten wie Brot oder pflanzlichen Alternativen zu tierischen Produkten aus, berichten die Wissenschafter.

Für den auch an der Uni Wien tätigen Ko-Autor der Untersuchung, Karl-Heinz Wagner, „können die Ergebnisse unserer Studie mit bestehenden Ernährungsempfehlungen, möglichst Fleisch- und Fleischprodukte zu reduzieren und sich hauptsächlich von pflanzenbasierten Lebensmitteln zu ernähren, gut in Einklang gebracht werden“, heißt es in einer Aussendung der Uni. Angesichts der steigenden Problematik mit gemeinsam austretenden Erkrankungen liefere die neue Studie deutliche Hinweise, sich darum zu bemühen, hochverarbeitete Produkte durch weniger stark industriell bearbeitete Lebensmittel zu ersetzen und „einen universellen Zugang zu frischen und weniger verarbeiteten Lebensmittel zu gewährleisten“, so Córdova. Die Analyse zeige aber auch, dass das Gefahrenpotenzial von verschiedenen UPF-Gruppen auch verschieden bewertet werden müsse, schreibt das Forschungsteam.

Zur Studie:

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.