Terrorismus

Russlands Oberrabbiner kritisiert Putins Haltung zur Hamas

Berel Lazar auf einem Bild von Ende Oktober 2023 im Kreml in Moskau.
Berel Lazar auf einem Bild von Ende Oktober 2023 im Kreml in Moskau.Imago / Sergei Bobylev
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Oberrabbiner Lazar - er gilt als Putin-nah - stellt in der „Süddeutschen Zeitung“ die rhetorische Frage: „Wie kann man Frieden mit einer Organisation schließen, die töten will?“

Russlands Oberrabbiner Berel Lazar kritisiert Präsident Wladimir Putin und andere russische Politiker für deren Zurückhaltung gegenüber dem Terror der Hamas. Es beunruhige ihn, dass Putin die Hamas nach ihrem Massaker in Israel nicht verurteilt habe, sagte der als Putin-nah geltende jüdische Geistliche laut Kathpress im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ (Dienstag).

„Ich habe das dem Präsidenten mehr oder weniger gesagt“, so Lazar: „Eine terroristische Organisation muss auch in Russland als solche verboten werden. Und wie könnte man die Hamas anders nennen?“

Der gebürtige Italiener Lazar ist seit 1999 Oberrabbiner der Föderation Jüdischer Gemeinden Russlands und gilt als Vertrauter von Putin. Dieser sei der erste Präsident gewesen, der Russlands Juden öffentlich unterstützt habe.

Mehr Sympathie für Palästinenser nicht überraschend für Lazar

Man brauche viel Kraft, um sich die Videos vom 7. Oktober anzusehen, fügte Lazar in dem aktuellen Interview hinzu: „Trotzdem wurde eine Delegation der Hamas in Moskau als Gast empfangen. Natürlich bin ich damit nicht einverstanden.“ Er habe Putin auch offen gesagt, dass man sich mit Terroristen nicht versöhnen könne: „Wie kann man Frieden mit einer Organisation schließen, die töten will?“

Dass in der russischen Presse und innerhalb der Behörden eine größere Sympathie für die Opfer auf palästinensischer Seite erkennbar sei als für die israelischen Opfer, habe ihn nicht überrascht, so der Rabbiner weiter: „Niemand in den Massenmedien diskutiert über die Auslöser, die Gründe für das, was jetzt in Gaza passiert. Niemand sagt, dass der israelische Premier sein Land verteidigen muss, damit sich so etwas niemals wiederholt.“

»Wenn Lawrow sagt, dass die Juden selbst den Holocaust erschaffen haben, dann ist das furchtbar.«

Berel Lazar

Oberrabbiner der Föderation Jüdischer Gemeinden Russlands

Lazar kritisierte auch Stimmen in Russland, die behaupteten, in der Ukraine gebe es heute Faschismus wie im Deutschland der Nazi-Zeit: „Dann sage ich: Nein, es ist nicht genauso wie damals in Deutschland. Niemand versucht heute alle Russen umzubringen, weil sie Russisch sprechen. Aber während des Zweiten Weltkriegs wollte man alle Juden umbringen, weil sie Juden waren.“

Er habe auch den russischen Außenminister Sergej Lawrow öffentlich kritisiert, weil dieser unter anderem behauptet habe, Hitler habe jüdisches Blut gehabt: „Wenn Lawrow sagt, dass die Juden selbst den Holocaust erschaffen haben, dann ist das furchtbar. Man darf nach solchen Aussagen nicht mehr schweigen. Er hat sich danach entschuldigt.“ (APA)

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