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Peter Rosei: Andy Warhol mit seiner Perücke

Genau genommen gibt es die Kunst gar nicht. Es gibt nur Künstler.
Genau genommen gibt es die Kunst gar nicht. Es gibt nur Künstler.Foto: Justin Tallis/Picturedesk
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Vergleichsweise harmlos erscheint die Kostümierung von Künstlern – Helnwein mit seinem Bandana samt schwarzer Sonnenbrille oder auch Nitsch, Gott hab ihn selig, kann hier kurz mit Rauschebart und Pfarreranzug hereinschauen. Dieser Künstlerfasching, hat er nicht seinen Ursprung im Hofnarrenkostüm?

Steckst du dich mit dem Denken an, gib acht, es ist schwer wieder loszuwerden.

Unlängst schenkte mir ein Freund eine Radierung von Anton Lehmden, auf der eine Raubkatze zu sehen ist, die einen unschuldigen Vogel gefasst hat und tötet. Ringsum eine Landschaft, in der, könnte man sagen, das Schweigen Gottes herrscht.

Auf den Gemälden de Chiricos gibt es keine Natur, nur von Menschen Gebautes: Häuser, Hallen, Plätze, Straßen – wie anders die Leere da wirkt!

Beim Nachdenken über den Klimawandel kommt immer wieder die Frage auf: Dahin also hat all dies Suchen und Forschen die Menschen geführt? Das Suchen und Forschen hat die Menschheit dahin und dorthin geführt, auf gute und auf böse Wege. Und insgesamt? Die Bilanz fällt durchwachsen aus, würde ein Geschäftsmann sagen, teils-teils. Atomarsenale beschützen eine Welt, die wir bald nicht mehr werden bewohnen können, so nichts Einschneidendes geschieht und gelingt. Dafür haben wir Komfort. Unser Untergang wäre sozusagen erster Klasse.

Die Menschen vertragen nur wenig Realität, meinte T. S. Eliot. Mir kommt vor, sie bevorzugen im Großen/Ganzen vertraute Räume, geschaffen von Gewohnheiten. „Der Bau“, die Erzählung von Franz Kafka, stellt ein solches System aus Gängen und Höhlen vor. Die Wirklichkeit als solche, gleicht sie nicht einem viel zu reichlich gedeckten Tisch – so viel kann keiner vertragen –, einem unwegsamen Wald, in dem man sich leicht verlaufen, ja verirren kann?

Kriege werden normalerweise für staatliche Interessen geführt

Was Hermann Broch zum Kalten Krieg in den Fünfzigerjahren bemerkt, gilt auch heute noch: Kriege werden normalerweise für staatliche Interessen geführt und nicht für Ideen oder Ideale, wie gern vorgegeben wird, sei es zur Tarnung, mag sein auch aus Verblendung, aus Selbstbetrug oder einfach, um die Kriegsanstrengung dem betroffenen – und mit Geld und Leben zahlenden – Publikum besser verkaufen zu können.


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