Verkehr

Salzburger stimmen über Mini-U-Bahn ab

Die Idee einer Mini-U-Bahn geistert seit Jahrzehnten durch die Salzburger Stadtpolitik.
Die Idee einer Mini-U-Bahn geistert seit Jahrzehnten durch die Salzburger Stadtpolitik.IMAGO/Daniel Scharinger
  • Drucken

Am 26. November gibt es eine Bürgerbefragung zur umstrittenen Verlängerung der Salzburger Lokalbahn. So weit wie jetzt war man aber mit den Plänen für die Bahnverbindung noch nie

Für die einen ist es ein Jahrhundertprojekt, um den Dauerstau in und um die Stadt Salzburg in den Griff zu bekommen, für die anderen ein Milliardengrab, das an den Bedürfnissen der Verkehrsteilnehmer vorbeigeht: die unter der Bezeichnung S-Link firmierende unterirdische Verlängerung der Salzburger Lokalbahn.

In der ersten Etappe soll die Mini-U-Bahn bis zum Mirabellplatz gebaut werden (siehe Grafik), im – zeitlich noch in weiter Ferne liegenden – Endausbau irgendwann an die Oberfläche kommen, bis nach Hallein führen und mit Verzweigungen auch das Messezentrum und den Flughafen in das neue Schienennetz einbinden.

Ergebnis nicht bindend

Ob die Gegner oder Befürworter in der Überzahl sind, wird am 26. November eine Bürgerbefragung in der Stadt zeigen. Das Ergebnis ist nicht bindend, hat aber, auch angesichts der Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl in der Stadt Salzburg am 10. März 2024, reale Wirkung. 2021 wurde die unmittelbar vor Baustart stehende Erweiterung der Mönchsberggarage abgesagt. Eine Bürgerbefragung hatte ein so deutliches Nein ergeben, dass sich die Politik fügen musste.

Die Idee einer Mini-U-Bahn geistert seit Jahrzehnten durch die Stadtpolitik. Nicht zuletzt deshalb wurde vor rund 30 Jahren der Lokalbahnhof unter die Erde verlegt, damit die Fahrgäste irgendwann unterirdisch mit der Lokalbahn bis zum Mirabellplatz gelangen können. Doch wie so oft bei Salzburger Verkehrsprojekten wurde die unterirdische Verlängerung der Lokalbahn regelmäßig vor Wahlen hervorgeholt, um dann wieder schubladisiert zu werden.

So weit wie jetzt war man aber mit den Plänen für die Bahnverbindung noch nie. Unter anderem deshalb, weil der für Verkehr zuständige Landeshautpmann-Stellvertreter Stefan Schnöll (ÖVP) den Bau zu seinem politischen Gesellenstück erkoren hat. Er hat eine Rahmenvereinbarung mit Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) geschlossen, dass der Bund sich mit 50 Prozent an den Kosten beteiligen wird und damit das Projekt der Realisierung etwas näher gebracht. Derzeit läuft die Umweltverträglichkeitsprüfung für den rund 900 Meter langen ersten Abschnitt zwischen Bahnhof und Mirabellplatz.

Bis zu 2,8 Milliarden Euro

Je nachdem, wo der unterirdische Tunnel an die Oberfläche kommt, liegen die Kostenschätzungen zwischen 1,9 und 2,8 Milliarden Euro. Viel Geld für ein Projekt, bei dem noch viele Fragen offen sind, finden Kritiker. „Der S-Link kostet dich deine Zukunft“ plakatierte die Stadt-SPÖ, die sich als einzige Partei im Gemeinderat klar gegen die Mini-U-Bahn positioniert hat. Der S-Link koste viel, bringe aber nur marginale Entlastung beim motorisierten Verkehr, argumentiert Bürgermeister-Stellvertreter Bernhard Auinger (SPÖ). Ein dichterer O-Bus-Takt und ein massiverer Ausbau der Radwege seien schneller und günstiger zu realisierende Verkehrsprojekte.

Ähnliche Bedenken hat auch die Bürgerinitiative „Stopp U-Bahn“ rund um den Verkehrsaktivisten Wilfried Rogler. Die Gruppe hat mehr als 3000 Unterschriften gesammelt und die Bürgerbefragung eingeleitet. Die Initiatoren vermissen nachvollziehbare Studien über die Auswirkungen des S-Link auf den Gesamtverkehr, warnen vor einem jahrelangen Lockdown für Geschäfte und Hotels entlang der Baustelle und halten eine oberirdische Schienentrasse sowie mehr Radwege für günstiger. Es gebe keine transparenten Informationen, die eine seriöse Beurteilung des S-Link-Milliardentunnels zulassen, kritisiert Rogler.

Auch die Befürworter mobilisieren: Eine Initiative „Dafür – Zukunft Mobilität“ organisiert Dialogveranstaltungen und argumentiert mit Verkehrsentlastung, schnellen Verbindungen und Chancen für die Stadtgestaltung. Gab es vor dem Sommer Umfragen, die den S-Link-Gegnern eine Mehrheit voraussagten, ist das Stimmungsbild wenige Tage vor der Befragung recht diffus. Damit das politische Gewicht eines allfälligen Neins der Bürger zum S-Link nicht zu schwer wiegt, hat Verkehrsressortchef Schnöll jedenfalls vorsorglich für 2024 eine landesweite Befragung angekündigt. Schließlich gehe der S-Link nicht nur die Bewohner der Stadt etwas an.

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.