Künstliche Intelligenz

Firmen „erst am Beginn der KI-Reise“

Der ChatGPT-Anbieter OpenAI findet vermehrt Anklang in Firmen.
Der ChatGPT-Anbieter OpenAI findet vermehrt Anklang in Firmen.IMAGO/Pixsell
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Aus dem Alltag ist der Einsatz von künstlicher Intelligenz kaum noch wegzudenken – ob für Suchassistenten, Navigation oder Sprachsteuerung. Heimische Firmen hinken indes hinterher.

Nicht mehr in aller Munde, sondern auf den Boden gebracht werden sollen (Pilot-)Projekte und Innovationen mit künstlicher Intelligenz, in Ausbildungsstätten und Firmen gleichermaßen. So werden 100 Schulen in den nächsten zwei Jahren zu Pilotschulen in Sachen künstlicher Intelligenz (KI), wie Bildungsminister Martin Polaschek und Digitalisierungs-Staatssekretär Florian Tursky am Dienstag angekündigt haben. Auch in der Wirtschaft wird KI für eine disruptive Veränderung sorgen, darüber sind sich heimische Entscheidungsträger einig. Doch bei der Nutzung zeigen sich Österreichs Führungskräfte noch zurückhaltend.

Lediglich 15  Prozent haben KI als strategisches Managementthema etabliert, ein Fünftel hat spezifische KI-Anwendungen eingeführt. Etwa die Hälfte plagen rechtliche Bedenken – vor allem in Bezug auf den Schutz von Firmendaten. Zumindest wenn man den aktuellen Studienergebnissen unter 100 heimischen CEOs Glauben schenkt. Dazu befragt haben Microsoft, SAP Österreich und der IT-Dienstleister Tietoevry.

„Man kann zwei starke Strömungen erkennen. Ein Teil der Firmen traut sich, intelligente Standardtechnologien- und Produkte zu integrieren. Die anderen denken ,out of the box‘ und gehen in die Tiefe. Sie nutzen KI, um komplexe Bereiche zu beleuchten. In der Produktion kann das bedeuten, den CO2-Ausstoß je nach Material und Einsatzbereich zu vergleichen“, sagt Managing Director von Tietoevry, Robert Kaup. Bei Standardlösungen denkt er an Microsoft Copilot oder Bing Chat Enterprise. Wenn es um die Entwicklung maßgeschneiderter Copilot-Plug-ins oder KI-Chatbots geht, brauche es individuelle Lösungen. „Sie können über eine KI-basierte Web-Chat-Lösung bereitgestellt werden, die volle Kontrolle und den Schutz der Unternehmensdaten gewährleistet.“

Jeder Fünfte klagt über wenig Fachwissen

Doch wenn es um die Einführung von KI-Anwendungen geht, sind Österreichs Entscheider gehemmt: Die Mehrheit äußert rechtliche Bedenken, etwa hinsichtlich des Datenschutzes oder der -sicherheit. Für jeden Fünften mangelt es an technischem Fachwissen im Unternehmen und an Datenverfügbarkeit und -qualität für den Einsatz von KI-Lösungen. Tatsächlich sind Datenschutzbedenken im Kontext der eingesetzten KI-Tools relevant, denn in den heimischen Unternehmen dominieren aktuell vor allem öffentlich zugängliche Anwendungen: Mehr als ein Viertel nutzt im Berufsalltag regelmäßig den KI-Chatbot Chat GPT, gefolgt vom Übersetzungstool DeepL Translate.

»Wir werden Industrieroboter fragen, wie sich die Geschäftsentwicklung verändert, wenn man gewisse Schritte adaptiert.«

Hermann Erlach

Geschäftsführer bei Microsoft Österreich

Ein weiteres Hindernis sei, „dass das Management nicht weiß, was KI alles kann“, sagt Kaup. Außerdem gebe es keine Hauptverantwortlichen, die sich zuständig fühlen, fügt Christina Wilfinger, CEO bei SAP Austria, hinzu. Als Vorreiter gelte die Finanzdienstleistungsbranche, alle anderen „hinken hinterher“. Es brauche jetzt den nächsten Schritt, weg von Pilotprojekten hin zu mutigen Umsetzungen. Den größten Durchbruch sieht sie allerdings in der Sprachsteuerung. Dazu sagt Hermann Erlach, Geschäftsführer bei Microsoft Österreich: „Zukünftig werden wir Industrieroboter fragen können, wie sich die Geschäftsentwicklung verändert, wenn man gewisse Schritte adaptiert.“

Unklarheit über Mehrwerte von KI

Trotz dieser Prognosen sehen rund zwei Drittel (64 Prozent) durch KI-Entwicklungen nur geringe oder gar keine Änderungen ihres Geschäftsmodells auf sich zukommen. „Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass der Großteil der österreichischen Unternehmen erst am Beginn der KI-Reise steht“, sagt Kaup, denn: „Die große Lücke in der strategischen Führung in Bezug auf KI spiegelt sich auch in einem geringen Implementierungsgrad von KI-Tools wider. Vielerorts herrscht noch Unklarheit über konkrete Mehrwerte von KI, und auch der Einfluss auf Geschäftsmodelle wird überwiegend nicht gesehen.“

»Das führt zu einem hohen Bedarf an sicheren Business-KI-Lösungen zum Schutz sensibler Firmen- und Kundendaten. «

 Robert Kaup

Managing Director von Tietoevry Austria

Durch die weitverbreitete Nutzung von öffentlich zugänglichen KI-Tools – wie Chat GPT – steige zwar das Verständnis für KI, aber Firmen müssen sich auch mehr damit beschäftigen, welche Sicherheitsrisiken entstehen. „Das führt zu einem hohen Bedarf an sicheren Business-KI-Lösungen zum Schutz sensibler Firmen- und Kundendaten. Nur wenn Daten im eigenen Autoritätsbereich des Unternehmens verbleiben, können die KI-Potenziale voll ausgeschöpft werden“, sagt er.

Das bestätigt auch eine Studie vom IT-Unternehmen Techbold. Mitarbeitende haben Schwierigkeiten damit, sorgfältig mit Daten umzugehen. Bei 52 Prozent sei die Funktion der Firewall unzureichend gewesen, bei 58 Prozent hatten ehemalige Beschäftigte nach ihrer Kündigung noch Zugriff auf Unternehmensdaten, wie die Befragung von rund 200 Geschäftsführern und Auswertungen aus über 180 IT-Sicherheitsüberprüfungen zeigen.

53  Prozent nehmen Datensicherung ernst und verwenden eine funktionierende Back-up-Lösung, welche im Ernstfall alle Daten wiederherstellen lässt. Insgesamt wird IT-Sicherheit in Städten als deutlich wichtiger wahrgenommen als auf dem Land. Und: Eine langjährige Firmenzugehörigkeit vonseiten der Geschäftsführung wirkt sich positiv auf die IT-Sicherheit aus.

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