Analyse

Kryptowährungen kommen nun allmählich in der breiten Masse an

Bei Bitcoin und Co. scheiden sich die Geister.
Bei Bitcoin und Co. scheiden sich die Geister.IMAGO/SOPA Images
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Immer mehr Banken wagen sich in den Kryptosektor vor. Die Europäische Zentralbank ist weiter besorgt. Derweil treibt die Aussicht auf Zulassung von Krypto-ETFs den Bitcoin hoch.

Frankfurt/Wien. Die Kryptobranche erreicht allmählich den Mainstream des Finanzsystems. Dafür spricht die Nachricht, dass die Commerzbank als erste deutsche Universalbank eine Lizenz für die Verwahrung von Bitcoin & Co. erhalten hat. Die Lizenz werde es ermöglichen, „ein breites Spektrum von Dienstleistungen im Bereich digitaler Vermögenswerte, speziell Kryptowerte, aufzubauen“, teilte die Bank vorigen Mittwoch mit. 

Nachdem die Banken diese Anlageklasse zunächst wegen der damit verbundenen Risiken und des Potenzials für Geldwäsche gemieden haben, beginnen sie nun allmählich damit, Produkte mit digitalen Vermögenswerten für die breite Masse zu entwickeln. Die wichtigste digitale Währung Bitcoin hat sich von den Marktturbulenzen nach einer Reihe von Skandalen in der Branche erholt. Am Mittwoch hat ein Preissprung von sechs Prozent die Bitcoin-Notierung in Richtung der 38.000-Dollar-Marke getrieben und damit auf ein Niveau, das zuletzt im Mai 2022 erreicht worden war. Damit hat Bitcoin seit dem Jahresbeginn um über 120 Prozent zugelegt.

„Im ersten Schritt strebt die Bank an, ihren institutionellen Kunden eine sichere, regulatorisch konforme und zuverlässige Plattform für die Verwahrung von Kryptowerten auf Basis der Blockchain-Technologie zur Verfügung zu stellen“, teilte die Commerzbank mit.

Krypto-ETFs vor Genehmigung

Im Juli hatte die Blockchain-Einheit der Société Générale die erste Lizenz erhalten, die nach den neuen französischen Kryptoregeln vergeben wurde. Anfang dieses Monats gab die DZ Bank bekannt, eine Plattform für die Verwahrung digitaler Vermögenswerte eingerichtet zu haben. Andere Banken sind noch unentschlossen.

In den USA wiederum könnten bald Krypto-ETFs zugelassen werden – BlackRock und Fidelity Investments gehören zu den Unternehmen, die die Auflegung solcher Produkte beantragt haben. Die US-Börsenaufsicht SEC hat am Mittwoch zwar erneut die Entscheidung über die Genehmigung des ersten US-ETF, der direkt in Bitcoin investiert, vertagt. Bloomberg Intelligence erwartet jedoch bis Jänner grünes Licht für eine Reihe solcher Fonds. Sie würden es für Institutionen und Kleinanleger einfacher machen, in die Digitalmünzen zu investieren. Gerade vor dem Hintergrund dieser Aussichten erlebte Bitcoin in letzter Zeit seinen rasanten Aufschwung.

Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern müssen Banken in Deutschland eine formale Erweiterung ihrer bestehenden Lizenzen beantragen, wenn sie Krypto­dienstleistungen einschließlich der Verwahrung anbieten wollen. So erhält die Bankenaufsicht einen gewissen Einblick in den Markt.

Die Europäische Zentralbank ist aber weiter besorgt, dass Banken ihre Kryptogeschäfte an der Aufsicht vorbei betreiben könnten. Aufsichtschef Andrea Enria forderte die Politik am Dienstag auf, ein Schlupfloch in den Regeln zu schließen. (Bloomberg/est)

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