Pizzicato

Europameister der Herzen

Mannomann, Nagelsmann: Der deutsche Boulevard legt das Team und seinen Coach auf die Psycho-Couch. Rot-Weiß-Rot ist derweil in Euphorie.

Ob sich im Maracanã-Stadion in Rio in der Nacht auf Mittwoch die Anhänger von Lula und Javier Milei in die Haare geraten sind, die einander so feindselig gegenüberstehen wie die Fans Brasiliens und Argentiniens? Im Duell der Fußball-Erzrivalen entluden sich die Krawalle auf den Rängen in einer Roten Karte auf dem Feld. Brasiliens Seleção liegt darnieder, ähnlich wie nach dem traumatischen 1:7-Debakel gegen Deutschland bei der Heim-WM 2014.

Lang ist’s her. Die deutsche Fußball-Glorie ist untergegangen, wie Nagelsmanns Männer im Prater schon vor der Roten Karte. Der Heißsporn hatte die Klage des Teamchefs vom mangelhaften Emotionslevel missverstanden. Mannomann, Nagelsmann: Vor der Heim-EM liegt die Fußball-Nation auf der Psycho-Couch, und der Boulevard trampelt auf dem geschassten Bayern-Coach herum.

In Wien trieben die „Jungs“ des „halben Österreichers“ Ralf Rangnick das Land nach einem großen Abend indes in den Taumel der Euphorie. Die Feierbiester – 22 Freunde sollt ihr sein – schmettern just das Weltschmerz-Verlierer-Lied „Strada del Sole“, bald womöglich „Wir fahren nach Berlin“. Die Erwartungshaltung im Mutterland der Deutschland-Legionäre: Europameister, mindestens. Als Europameister der Herzen fühlt sich Rot-Weiß-Rot schon, frei nach dem Motto: Wer nicht hüpft, der ist ein „Piefke“.

E-Mails an: thomas.vieregge@diepresse.com

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