Sport ist ihr Leben, dafür verzichtet Mirna Jukic auf fast alles, was für andere Teenager undenkbar wäre. "Ich will Medaillen!"
ATHEN. "Athens 2004 welcomes you!" Wer dieser Tage, vier Monate vor Olympia-Beginn, durch die griechische Metropole spaziert, kommt am Sport-Hit nicht mehr vorbei. Nicht nur der Plakate, der Baustellen, der bereits über dem Leichtathletik-Stadion aufgezogenen, aber noch nicht fertigen Calatrava-Dachkonstruktion oder halbfertigen U-Bahn zum Flughafen wegen. Fahnen, Maskottchen und T-Shirts, an fast jedem Stand der Stadt erhältlich, stimmen aufs Spektakel ein. Nicht nur Griechen, die doch im finalen Countdown in die Hände zu spucken scheinen, sind Feuer und Flamme. Auch Sportler wie die dreifache Schwimm-Europameisterin Mirna Jukic, die sich in Athen vorbereitet und wichtige Eindrücke sammelt.
Seit 1. April spulte Mirna unter gestrengem Blick von Trainer-Papa Zjelko ihr Programm in der für sie reservierten Bahn im Freibad Zapio, nur einen Steinwurf entfernt vom geplanten Österreich-Haus, ab. "Täglich 10 km", rechnet ihr Vater trocken vor. "4 am Vormittag, 6 am Nachmittag." Programm und System würden Drill, Ausdauer verlangen, damit dem Erfolg nichts im Wege stehe im Olympiajahr, weil "alles was war, vergessen ist." Nur die Athen-Limits (100, 200 m Brust) wären erreicht, mehr nicht. Da Wetter und Temperaturen passen, sich der Lärm des Straßenverkehrs, der die Grün-Oase vom Zapio streift, in Grenzen halte, ist "Athen perfekt. Leider ist der Wettkampf abgesagt. Aber egal. Kommt nächste", sagt Zjelko in Anspielung aufs Ströck-Meeting kommendes Wochenende in Wien. "Oder EM im Mai in Madrid."
Auch Mirna, seit kurzem 18, taugt's. "Schwimmen ist mein Leben. Ich bereue nicht, den Leistungssport gewählt zu haben!" Geduldig spult sie die Vorgaben herunter, in der Bahn neben ihr machte sich dafür Bruder Dinko, 15, seine Hetz. "Papa ist mein Trainer", meint Mirna, "sobald aber das Schwimmen vorbei ist, ist er nur Papa." Das wäre gut so, hätte der Familie und ihr enorm geholfen, würde Spannungen im Pool zurücklassen. Dass mitunter auch härtere Worte fallen auf Kroatisch, stört nicht. Es gehört so dazu wie innerfamiliäre Wettrennen. "Nur über Bruststrecken kann ich Dinko schlagen", schildert Mirna des Bruders Entwicklung. "Auf allen anderen Strecken ist er schneller!" Sie liebt es, den Pool zu durchpflügen, sich zu verausgaben und dabei zu beobachten, wie ihr Vater, zwei Stoppuhren in der Hand, am Beckenrand auf und ab marschiert. Während des Trainings "singe ich Lieder im Kopf", erklärt sie eine Methode, Monotonie zu bekämpfen. An die Spiele denke sie noch nicht, "die sind noch zu weit weg." Wichtiger wäre es, durchzuhalten. "Papa weiß, was gut für mich ist. Und beim Wettkampf brauch ich beide - Papa und den Trainer. Ohne ihn - ich wüsst nicht ob ich jetzt da wäre, wo ich bin."
Mirna hat viel erreicht, ist aber lange nicht am Ziel. Von (Gold)Medaillen träumt sie, darum ist sie bereit, auf vieles, was für Teenager normal ist, zu verzichten. Im Training gibt's "keine Disco. Ich wäre zu müd am nächsten Tag." Andere zweifeln - sie steht dazu. "Ich bin mit meinem Leben zufrieden, Schwimmen macht Spaß!" Mirna ist sich sicher, nichts "zu versäumen". Denn sie will was imSport erreichen. Vor allem heuer. Bei der EM, bei Olympia. "Hier in Athen!"