Pizzicato

Wilde Männer und ihre Mähnen

Von Trump über Johnson und Milei bis Wilders: Was ist nur los mit den wilden weißen Männern und ihren Mähnen, die womöglich mehr Zeit fürs Haarstyling aufwenden als manche Primadonna?

Peluca Presidente“ nennen die Argentinier den Mann, der erst mit der Kettensäge so richtig populär geworden ist – den Präsidenten mit der Perücke, die freilich gar keine ist. Die wilde Mähne mit den breiten Koteletten, die an den späten Elvis Presley gemahnen, ist zum Markenzeichen Javier Mileis avanciert. Im Wahlkampf markierte er mit schwarzer Lederjacke den Rebellen und wilden Mann. Seine Friseurin plauderte das Geheimnis um sein kunstvoll wirres Haar aus: Es orientiert sich an Wolverine, dem unverwundbaren, unbesiegbaren Wolfsmenschen und Comic-Superhelden.

Was ist nur los mit den wilden weißen Männern und ihren Mähnen, die womöglich mehr Zeit fürs Haarstyling aufwenden als manche Primadonna? Moderne Samsons mit Saft und Kraft? Donald Trump stilisiert sich mit sorgfältig toupiertem, festgespraytem und in Orangeton gefärbtem Haar zu einem alten Löwen. Boris Johnson zupft seinen Wuschelkopf beflissen so zurecht, als sei er gerade dem Bett entstiegen – in der Manier eines schlampigen Genies.

Und nun drängt auch Geert Wilders wieder ins Rampenlicht, der Gottseibeiuns der niederländischen Politik. Hoch aufgeschossen, mit platinblonder Künstlermähne, wirkt er auf die einen wie ein Maestro, auf die anderen wie Dracula. Die Niederländer stellen sich auf Misstöne ein – und auf Bisse samt Blutsaugen.

E-Mails an: thomas.vieregge@diepresse.com

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