Europäische Union

Nur auf Englisch? Frankreich im Sprachstreit mit der EU-Kommission

Archivbild aus dem Haus des Europäischen Rates in Brüssel. Frankreichs Präsident Macron (Bildmitte, rechts) gilt als besonderer Verfechter der französischen Sprache.
Archivbild aus dem Haus des Europäischen Rates in Brüssel. Frankreichs Präsident Macron (Bildmitte, rechts) gilt als besonderer Verfechter der französischen Sprache.APA / AFP / Emmanuel Dunand
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Dass ein Bewerbungstest für EU-Posten nur auf Englisch abgelegt werden kann, passt Frankreich gar nicht. Die EU sei verpflichtet, „sprachliche Vielfalt zu wahren“, heißt es in einer Klage, die der Europäische Gerichtshof zu behandeln hat.

Frankreich kämpft um die Rolle der französischen Sprache in der Europäischen Union und gegen Bewerbungen für EU-Posten nur auf Englisch. Eine entsprechende Klage vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) ging an diesem Donnerstag mit der mündlichen Verhandlung in Luxemburg in die entscheidende Phase.

Frankreich bemängelt darin eine „ungerechtfertigte Ungleichbehandlung aufgrund der Sprache“, weil in bestimmten Bereichen einige Tests nur auf Englisch durchgeführt werden. „Die der Europäischen Union obliegende Pflicht, den Reichtum ihrer kulturellen und sprachlichen Vielfalt zu wahren und für den Schutz und die Entwicklung des kulturellen Erbes Europas zu sorgen, ist verletzt worden“, heißt es in der Klage. Sollte eine solche Sprachpraxis für alle Bewerbungsverfahren systematisiert werden, würde langfristig Englisch als einzige Sprache bevorzugt, verlautete aus französischen Diplomatenkreisen. Das laufe dem Multilingualismus entgegen, dem man sich verbunden fühle.

Französisch international immer weniger verbreitet

Dass das Thema für Frankreich so wichtig und emotional ist, hat verschiedene Gründe. „Frankreichs Problem ist, dass wir von einer Situation, in der Französisch die internationale Sprache war, zu einer gekommen sind, in der es das nicht mehr ist“, sagte der Politikwissenschaftler Christian Lequesne der Deutschen Presse-Agentur. Da spiele auch eine gewisse Nostalgie mit rein.

Beim Aufbau der europäischen Institutionen sei viel Französisch gesprochen worden, auch hätten früher fast alle Diplomaten die Sprache beherrscht. Mittlerweile sei das massiv zurückgegangen. „Das ist es, was für die Franzosen schwer zu ertragen ist.“ In einem Bericht, den unter anderem Lequesne 2020 veröffentlichte, war von einem Rückgang der sprachlichen Vielfalt in den EU-Institutionen zugunsten von Englisch die Rede.

Dem Professor an der renommierten Pariser Universität Sciences Po zufolge liegt Frankreichs Haltung auch an seiner Sicht auf Sprache und Politik. „In der französischen Auffassung von Macht und - in diesem Fall - Softpower zählt die Sprache.“ Man glaube letztlich, dass mit der Sprache auch Politik gemacht werde.

Ein schwer zu gewinnender Kampf für die Mehrsprachigkeit

Lequesne ist überzeugt, dass Paris verstanden habe, dass ein Aufzwingen von Französisch nur auf Ablehnung stoßen würde. Als Mittel, die Sprache zu verteidigen, werde deshalb die Förderung der Mehrsprachigkeit gesehen. „Aber am Ende ist es natürlich die französische Sprache, die wir schützen wollen.“ Der Kampf sei aber wohl schwer zu gewinnen, doch wenn Frankreich ihn nicht führe, führe ihn keiner. Letztlich gehe es auch um die Verbindung der EU zu den Bürgern - und die sprächen nun mal verschiedene Sprachen.

Die EU-Kommission kommentiert laufende Gerichtsverfahren nicht. Man sei bestrebt, die Mehrsprachigkeit zu fördern, teilte eine Sprecherin mit. Ein wichtiger Teil der Auswahlverfahren werde schon immer in allen 24 Amtssprachen durchgeführt. Mit einem Urteil ist erst in einigen Monaten zu rechnen. (APA/dpa)

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