Spectrum Lyrik: Eberhard Häfner

Spectrum Lyrik: Eberhard Häfner

Eberhard Häfner, geboren 1941 in Steinbach-Hallenberg, war als Kupfer- und Silberschmied und Metallformgestalter tätig. Lebt als freier Schriftsteller in Berlin. Die Gedichte stammen aus seinem Band „Am unfrisierten Rand“ (Klever).

Motiventlarvung

sieh nur, hier war die Wunde
kein Algorithmus konnte, selbst wenn er wollte
mir ein Pflaster aufkleben
aber, wo bleibt die Selbstheilungskraft
nach blasphemischer Nacht
erwacht in der Knospe als Magma

auch Gänseblumen werden, bevor sie gezupft
als Gans geboren, sie vegetieren und
über verkappte Blütenkörbe
streicht heißer Atem zwischen einzelnen
Eruptionsphasen

gilt auch dem Hundeveilchen
den Morellen, die im Schatten, als ich stand
an der Weichsel und mein Hemd hochgekrempelt
sah man die blassen Ornamente
verhüten neue Verbrechen
reparaturbedürftig

Nähe verzaubert

erwarte von Experimenten
dass sie ergebnistreu auf allen Kontinenten
nicht dem Zufall überlassen, ganz anders,
die Hefe im Teig, wenn sie
über den Schüsselrand steigt, die Sinne täuscht
ist es der Mond, der aufgeht
man muss ihm kein Licht nachkneten

so auch die Liebe
kein Idyll für Triebe, ist wie hartes Brot
die Rinde nicht ewig süß
manchmal bleiben die Pupillen leer
sind dann unterwegs, weiße Nächte in spe
voll mit bürgerlicher Dämmerung
und dein geistiger Horizont astronomisch definiert

und weiter
wenn die Wolfsbohnen reif
Lupinenzeit vorbei, was mal lupenrein
jetzt braune Hülsen, sie stehen auf Hahnenfüßen
sind aber Schmetterlingsblütler, doch
ihr Gattungsname klappert
horch

ein Storchschnabel

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