Mobilität

Statussymbol: Zugticket statt Dienstwagen

Die Arbeitszeiten müssen mit den Fahrplänen von Bus oder Bahn zusammenpassen.
Die Arbeitszeiten müssen mit den Fahrplänen von Bus oder Bahn zusammenpassen.ÖBB/Philipp Horak
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Das neue Sustainable Mobility Lab der FH Vorarlberg will den Umstieg auf umweltfreundliche Verkehrsmittel attraktiv machen.

Dem Bemühen, möglichst viele Wege umweltfreundlich mit dem Rad, zu Fuß oder mit Bus und Bahn zurückzulegen, stehen Hürden gegenüber. Nicht nur bei privaten Wegen, sondern auch in Unternehmen. Wie man einige Umstiegshürden beseitigen kann, ist ein Schwerpunkt des kürzlich eingerichteten Sustainable Mobility Labs an der Fachhochschule Vorarlberg.

„Es muss im Unternehmen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter genauso einfach sein, für den Weg zu einem Termin den Zug zu benützen wie den Dienstwagen“, sagt Martin Dobler, Informatiker und Leiter des Mobilitätslabors. Dort arbeiten im Rahmen eines von der EU geförderten Interreg-Projekts 18 Forschungs- und Unternehmenspartner aus vier Ländern um den Bodensee zusammen.

Es braucht die passenden Anreize

„Einige unserer Partnerunternehmen wollen ihren Fuhrpark und firmeneigene Parkplätze reduzieren. Das kann nur gelingen, wenn sie ihre Beschäftigten zum Umstieg vom Auto auf andere Verkehrsmittel motivieren“, so Dobler. Ein Schlüssel dazu sei, dass der Dienstwagen seine Rolle als Statussymbol verliere. Das könne nur über attraktive Anreize gelingen, etwa hohes Sozialprestige durch klimafreundliches Verhalten oder Komfort- und Zeitgewinn. Ein Mobilitätsbudget statt eines Firmenfahrzeugs erleichtere den Umstieg, betont der Forscher. Dahinter muss allerdings ein Buchungs- und Abrechnungssystem stehen, das die Nutzung aller Verkehrsmittel gleichermaßen ermöglicht. Wichtig sei, die Hindernisse für nachhaltige Mobilität in Unternehmen zu orten. Das könnten etwa Arbeitszeiten sein, die mit Fahrplänen von Bus oder Bahn nicht zusammenpassen. Ziel der interdisziplinären Projekte des Mobility Labs – je nach Aufgabenstellung arbeiten Sozialwissenschaftler, Informatiker, Raum- oder Verkehrsplaner zusammen – ist es, gesamthafte Lösungen für Vorarlberg und die gesamte Bodenseeregion zu entwickeln. Etwa die Integration der Daten der verschiedenen regionalen Plattformen, über die man je nach Mobilitätsbedürfnis Carsharing-Fahrzeuge, Zug, Bus oder E-Bike buchen kann.

Ein anderes Projekt befasst sich mit den Verwaltungsgrenzen, welche die Mobilität in der Bodenseeregion erschweren. So scheitern Initiativen für eine neue Busverbindung manchmal an der Frage, wer wofür zuständig ist. Deshalb erarbeiten die Forschenden am Mobility Lab eine Landkarte der Bodenseeregion, die Akteurinnen und Akteure sowie Prozesse in Österreich, der Schweiz, Liechtenstein und Deutschland transparent machen soll. Das soll künftig Planung und Umsetzung von grenzüberschreitenden Verkehrsprojekten vereinfachen.

Informationen zusammenführen

„Die ÖBB wissen, wie viele Fahrgäste zwischen Wien und Bregenz unterwegs sind“, sagt Dobler. Von jenen Menschen, die über die Schweizer Grenze fahren, wisse man in Österreich aber dann nicht, wie weit sie fahren und ob sie auf andere Verkehrsmittel umsteigen. Solche Informationen besser zusammenzuführen, würde helfen, die komplexen Bedürfnisse von Pendlern und Reisenden besser zu verstehen und das Angebot entsprechend zu gestalten.

Das Mobilitätslabor will lösungsorientiert forschen, der rasche Transfer von Know-how in die Praxis steht im Vordergrund. Die Forschungsprojekte sind jeweils für sechs Monate angelegt, danach werden sie evaluiert – und wenn sie nicht erfolgreich sind, auch wieder aufgelassen.

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