Unterwegs

Island

In Island toben gelegentlich Vulkane, fast immer aber tobt der Wind. Wo sind nur die Windräder?

Ein Vulkanausbruch ist ja nichts, bei dem man wirklich in der Nähe sein möchte. Dennoch bleibt bei unserem Aufenthalt auf Island die Gefahr abstrakt. Die Einwohner, zu mehr als zwei Drittel in der Hauptstadt Reykjavík, lassen sich nicht aus der Ruhe bringen, nur weil‘s gerade wieder fester rumpelt unter der Erde. Von den Hunderten Erdstößen pro Tag nimmt man nur wenige wahr: Zweimal wackelt es nachts im Zimmer, sodass man aufwacht; beim zweiten Mal auch mit Geräuschen von Gegenständen im Raum. Umdrehen, weiterschlafen: Wie auch in Japan kann man sich darauf verlassen, dass erdbebensicher gebaut wurde. Sagen wir halt einmal.

Wir besichtigen eine Fabrik nahe des Städtchens Grindavík, das zwei Tage später evakuiert wurde und es bis heute ist. Das Einschießen von Magma in Hohlräume hat den Boden um sieben Zentimeter gehoben, auch dort, wo die Anlage steht. Einstweilen kein Problem, sagt der Guide, der ein Warngerät trägt, das Luftschadstoffe misst: Schlägt es an, sollte man sich vom Acker machen. In der Anlage wird Methanol hergestellt, dafür braucht es Wasserstoff, dessen Erzeugung viel Strom benötigt, und Kohlendioxid, das vom nahen Geothermiekraftwerk stammt. Mit Methanol kann man klimaneutral tanken und Wasserstoff transportieren. Könnte man Island damit versorgen, Industrie, Autos, Schiffe,

Flugverkehr? Theoretisch ja, nur brauchte man dafür, neben neuen und größeren Anlagen, doppelt so viel Strom, wie man heute hat. Wo soll er herkommen? Obwohl meist starker Wind geht, steht kein Windrad auf der Insel – ein Politikum. Das soll sich bald ändern.

timo.voelker@diepresse.com

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