Edelmetalle

Goldpreis schnellt über 2000 Dollar

Der größte Teil des Goldes geht in die Schmuckindustrie, zweitgrößter Abnehmer sind die Notenbanken.
Der größte Teil des Goldes geht in die Schmuckindustrie, zweitgrößter Abnehmer sind die Notenbanken. Ilya Naymushin/Reuters
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Der Goldpreis klettert auf ein Sechsmonatshoch. Die Ursache scheint paradox: Es ist die Aussicht auf eine Verschlechterung der Konjunktur.

Gold ist eindrucksvoll zurück. Seit dem Knick Anfang Oktober hat sich der Preis für das Edelmetall um fast zehn Prozent auf über 2000 Dollar erhöht. Am Montag erklomm der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) zeitweise 2018 Dollar und war damit so hoch wie zuletzt im Mai. Das Rekordhoch lag im Sommer 2020 bei 2075 Dollar. Die Gründe für den jüngsten Höhenflug dürften weniger in der plötzlichen Begeisterung der Anleger für das knappe Edelmetall liegen als vielmehr in der aktuellen Dollarschwäche sowie in der Erwartung einer Konjunkturflaute. Der Dollarindex (er spiegelt die Entwicklung des Dollar zu anderen wichtigen Währungen wider) fiel zum Wochenstart auf den tiefsten Stand seit zwei Monaten, das macht das in Dollar gehandelte Edelmetall in vielen Regionen günstiger.

Seit dem Knick Anfang Oktober hat sich der Preis für das Edelmetall um fast zehn Prozent auf über 2000 Dollar erhöht.
Seit dem Knick Anfang Oktober hat sich der Preis für das Edelmetall um fast zehn Prozent auf über 2000 Dollar erhöht.Die Presse/Petra Winkler

Schwacher Dollar hilft

„Die Edelmetalle feiern gerade ein beeindruckendes Comeback“, sagte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. „Das liegt nicht nur an der Nachfrage, sondern vor allem am aktuell schwächeren Dollar.“ Der Anstieg des Goldpreises unterstreiche die „Markterwartungen auf schwächere Konjunkturdaten“, schreibt die DekaBank.

Paradoxerweise wirkte die Erwartung einer schwächeren Konjunktur zuletzt auch positiv auf Aktien, Bitcoin und Anleihen, weil sie die Hoffnung auf baldige Zinssenkungen schürt. Die Anleiherenditen sind seit Oktober spürbar gesunken, was nichts anderes bedeutet, als dass die Kurse steigen. Wenn Anleihen aber geringere Renditen abwerfen, wird ein Vorteil gegenüber unverzinsten Anlageformen wie Gold geringer.

Der Goldpreis kämpft seit etwa zwei Jahren um die Marke von 2000 Dollar, konnte sich bislang aber nie lang über dieser Schwelle halten. Um auch inflationsbereinigt einen Rekord wie Anfang der 1980er-Jahre zu erreichen, müsste der Goldpreis auf 2500 Dollar klettern. Damals hatte eine Ausnahmesituation geherrscht: 1971 hatte US-Präsident Richard Nixon die Bindung des US-Dollar an Gold aufgehoben, was den Goldpreis in den Folgejahren in die Höhe schnellen und schließlich etwas überschießen ließ.

Vor zwei Monaten hatte es für den Preis des glänzenden Edelmetalls noch gar nicht so gut ausgesehen. Der Goldpreis stand knapp davor, unter die 1800-Dollar-Marke zu fallen. Dass das nicht passiert ist, dafür sieht eine Analyse des Gold Mining Council zwei Gründe: die Flucht in sichere Häfen nach dem Überfall der Hamas auf Israel sowie die Aussicht auf eine Zinswende.

Die Goldnachfrage kommt aus fünf Quellen: der Schmucknachfrage (die steigt, wenn der Goldpreis schwächer ist), der Nachfrage der Zentralbanken, der Nachfrage von Anlegern nach Münzen und Barren, der Nachfrage von Anlegern nach Wertpapieren (etwa ETFs) und schließlich der Industrienachfrage. Im dritten Quartal wurden 1147 Tonnen gekauft, das war mehr als im Fünfjahresschnitt, aber weniger als vor einem Jahr, wie Daten des Gold Mining Council zeigen.

Zweitgrößter Abnehmer nach der Schmuckindustrie waren die Zentralbanken, die ihre Goldbestände netto um 337 Tonnen aufstockten, das war aber weniger als der Rekord vor einem Jahr. Die Investitionsnachfrage erhöhte sich um 56 Prozent auf 157 Tonnen. Dabei zogen die Anleger aus globalen Gold-ETFs 139 Tonnen ab, in Barren und Münzen investierten sie 296 Tonnen.

Was macht die Inflation?

Der Schmuckkonsum sank um zwei Prozent auf 516 Tonnen. Die schwache Nachfrage nach Unterhaltungselektronik drückte die in der Industrie verwendete Goldmenge um drei Prozent auf 75 Tonnen. Umgekehrt erreichte die Minenproduktion einen Rekordwert von 971 Tonnen, was dazu beitrug, das gesamte Goldangebot (inklusive Recycling) auf 1267 Tonnen zu steigern.

Kurzfristig dürfte die weitere Entwicklung des Goldpreises jedoch von der Konjunktur- und Inflationserwartung abhängen. Marktbeobachter verweisen auf die am Mittwoch anstehenden Zahlen zum Wachstum der US-Wirtschaft und die für Donnerstag angekündigten Inflationsdaten. Je höher die Aussicht auf Zinssenkungen und frisches Geld, desto eher kann sich der Gold-Höhenflug fortsetzen.

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