Morgenglosse

Aber wehe, die Geschäfte bleiben zu!

Nach mehreren Protestkundgebungen stimmen sich die Handelsbediensteten in den nächsten Tagen auf Streiks ein. Wie wird die Kundschaft reagieren, wenn sie vor geschlossenen Geschäften steht?
Nach mehreren Protestkundgebungen stimmen sich die Handelsbediensteten in den nächsten Tagen auf Streiks ein. Wie wird die Kundschaft reagieren, wenn sie vor geschlossenen Geschäften steht?APA / APA / Roland Schlager
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Die Streiks bei den Metallern tun kaum jemandem direkt weh. Jetzt baut sich aber eine Streikwelle auf, die für uns alle spürbar sein wird. Unter den vorweihnachtlichen Lichterketten hat die Gewerkschaft die perfekte Drohkulisse aufgebaut. Zum ersten Mal überhaupt soll im Handel gestreikt werden.

Was interessiert es die allermeisten schon, wenn die Metaller streiken. Die Branche ist zwar volkswirtschaftlich von enormer Bedeutung, außer den rund 130.000 Beschäftigten ist davon aber kaum jemand unmittelbar betroffen. Ganz anders schaut die Sache im Handel aus. Ab Donnerstag könnte da gestreikt werden – zum ersten Mal überhaupt in Österreich. Chaos und Aufregung sind also vorprogrammiert.

Für den Fall, dass es in der am heutigen Dienstag stattfindenden vierten Verhandlungsrunde für die rund 430.000 Handelsangestellten keine Einigung gibt, haben die Gewerkschaften eine „erste Streikwelle“ über drei Tage angekündigt. Und die könnte es laut „Presse“-Informationen ziemlich in sich haben. Vom Großhandel über so manche Modekette bis hin zu den Supermärkten bereiten sich hunderte Betriebe auf Streiks vor. Die ÖGB-Zentrale hat bereits die Streikfreigabe erteilt, die Zeichen stehen auf Sturm.

Hoffnung auf Weihnachtsfrieden – aber zu welchem Preis?

Viele Filialen dürften dann für einige Stunden geschlossen bleiben. Spannend wird sein, in welche Richtung dabei die Gemütslage von Herrn und Frau Österreicher ausschlagen wird. Von Gewerkschaftsseite rechnet man mit einem „großen Verständnis“ seitens der Bevölkerung – seien die Handelsangestellten doch ohnehin chronisch unterbezahlt. Ob die abgewiesenen Möchtegern-Einkäufer dann mit den streikenden Handelsangestellten Solidaritätsbekundungen abhalten, darf aber bezweifelt werden. Zumindest der obligatorische Ruf nach der zweiten Kassa wird dann aber in vielen Supermärkten ausbleiben.

Die Händler würde ein Streik am ersten Advent-Einkaufswochenende auf dem völlig falschen Fuß erwischen. Unter den vorweihnachtlichen Lichterketten hat die Gewerkschaft mit ihrer Streikdrohung die perfekte Drohkulisse aufgebaut. Ob das die ohnehin unterkühlte Gesprächsbasis zwischen den Verhandlungspartnern auflockert? Eher unwahrscheinlich. Erstmalige Streiks im Handel? Stand jetzt: deutlich wahrscheinlicher. Davor wird aber noch verhandelt – die letzte Chance, erstmalige Streiks im Handel doch noch abzuwenden.

Irgendwann wird auch im Handel der Weihnachtsfrieden einkehren. Die Frage ist nur, zu welchem Preis.

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