Rekord und Rückgang

Spendenrekord, aber Teuerung schlägt zu

Der Zuwachs an Spenden kam der Ukraine-Hilfe zu Gute.
Der Zuwachs an Spenden kam der Ukraine-Hilfe zu Gute. Örk
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2022 wurde in Österreich so viel gespendet wie noch nie: 1,1 Milliarden Euro. Das war viel mehr als erwartet. Aber der Rückgang ist schon da.

122 Euro waren es im Schnitt pro Einwohnerin und Einwohner pro Jahr. Und die absolute Mehrheit spendet: 71 Prozent beträgt die „Spendenbeteiligung“, auch das ist ein Rekord. Wie die Summe: 1,1 Milliarden Euro wurden 2022 in Österreich gespendet.

Im Fundraising Verband, dem Dachverband der Spendenorganisationen, spricht man von „Rekordgroßzügigkeit“ und „immenser Spendenbereitschaft“ – auch wenn der Grund dahinter alles andere als erfreulich ist. Schließlich ist das Rekordjahr 2022 auch das Jahr, in dem mit dem Angriffskrieg auf die Ukraine die größte humanitäre Katastrophe in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg begonnen hat.

„Das Ausmaß der Hilfsbereitschaft hat alle Erwartungen übertroffen. 150 bis 200 Millionen Euro wurden allein für die Ukraine-Hilfe gegeben, das war entscheidend für den größten Spendenzuwachs aller Zeiten“, sagte Günther Lutschinger, der Geschäftsführer des Fundraising Verbands Austria. Ursprünglich war man für 2022 von 200 Mio. Euro weniger an Spendengeldern ausgegangen. Aber während die großen Organisationen, die intensiv mit der Ukraine-Hilfe befasst waren, Zuwächse verbucht haben, haben viele kleinere Non-Profit-Organisationen schon 2022 einen leichten Rückgang verzeichnet. Die Analyse zeigte, dass Privatpersonen in Österreich vergangenes Jahr 920 Mio. Euro beigetragen haben. Mit 84 Prozent ist das der Löwenanteil. 120 Mio. Euro davon stammen aus Erbschaften. Je acht Prozent des Aufkommens stammten von Unternehmen und gemeinnützig aktiven Stiftungen.

96 Prozent aller Spenden resultierten zuletzt aus Beträgen unter 600 Euro, während Spenden über 1000 Euro in Summe lediglich zwei Prozent ausmachten.

Kaum Spenden über 1000 Euro

Aber auch bei den Spenden schlägt die Inflation zu: Laut Prognosen für 2023 zeichnet sich ein Rückgang ab. Vor allem Einmalspenden, die in der Akutsituation der Massenflucht in und aus der Ukraine gegeben wurden, fallen weg. Zugleich macht sich auch bei Privaten die Inflation bemerkbar.

Für die Spendenorganisationen ergibt das ein doppeltes Problem: Zum einen ist man mit steigenden Kosten und Ausgaben konfrontiert, Spendengelder stagnieren oder gehen zurück, während Herausforderungen nicht kleiner werden: „Man spricht von Ukraine-Müdigkeit angesichts der Situation in Gaza. Für mich ist das ein Unwort des Jahres“, sagt Michael Opriesnig, der Generalsekretär des Roten Kreuzes, und erinnert daran, dass in der Ukraine nach wie vor Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe an­ge­wie­sen sind. Die Spendenorganisationen hoffen nun, dass Großspender die Lücke, die durch Inflation und stagnierende Spenden entsteht, füllen. „Die Teuerung ist spätestens heuer in der Mitte der Gesellschaft angekommen und hat viele zu Einschränkungen bei ihrem Spendenengagement bewegt“, sagt Ruth Williams, Philanthropie-Expertin des Fundraising Verbandes. Umso wichtiger seien besonders große Spenden — und die kommen. „Als eine Tendenz des laufenden Jahres haben wir auffällig viele herausragende Großspenden registriert, darunter zwölf Mio. Euro an die Salzburger Festspiele, 4,5 Mio. Euro an die alpha+ Stiftung des Wissenschaftsfonds FWF und 1,6 Mio. Euro an die Uni Graz, um nur einige zu nennen.“ Aber auch der internationale Vergleich, auch mit Deutschland zeige: Im Bereich der Philanthropie, der Großspenden von Millionären oder Stiftungen „gibt es noch viel Luft nach oben“, sagt Williams.

Mehr Geld soll den NPOs auch das mit Anfang 2024 in Kraft tretende Gemeinnützigkeitspaket bringen: Dann sind erstmals Spenden für alle gemeinnützigen Vereine absetzbar, damit sind etwa auch Bildungsinitiativen begünstigt. „Durch den Zugang zur Spendenbegünstigung können laut EcoAustria-Studie mindestens 30 Mio. Euro pro Jahr kurzfristig für gemeinnützige Projekte mobilisiert werden“, sagt Walter Emberger, der Gründer von Teach for Austria.

Der Fundraising Verband geht in seiner Prognose für 2023 von neun Prozent Rückgang und einem Spendenvolumen von einer Mrd. Euro aus. Entscheidend ist hier die Weihnachtszeit: Bis zu 30 Prozent der jährlichen Spenden werden in dieser Zeit gegeben.

»Die Teuerung ist spätestens heuer in der Mitte angekommen und hat viele zu Einschränkungen bewegt.«

Ruth Williams,

Fundraising Verband

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