Sozialpolitik

Pensionen: Eine Reform nach dänischem Modell?

Das dänische Pensionssystem beinhaltet eine starke kapitalgedeckte Säule.
Das dänische Pensionssystem beinhaltet eine starke kapitalgedeckte Säule.Selim Aksan
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Die Forderung nach einer Pensionsreform wird immer lauter. Wie aber soll sie aussehen? Wirtschaftsforscher bringen nun ein skandinavisches Vorbild ins Spiel.

Seit der Budgetrede des Finanzministers und der Veröffentlichung der neuen Gutachten der Alterssicherungskommission wird in Österreich wieder viel und durchaus emotional über eine Pensionsreform diskutiert. Und allen, die sich da unterhalten, die fordern oder kalmieren, ist eines gemeinsam: Sie verwenden als Zeitform das Futur und als Subjekt ihrer Sätze „die nächste Regierung“. Man könnte auch sagen, ihnen allen ist klar, dass im kommenden Superwahljahr schon allein das Wort Pensionsreform für Schweißausbrüche bei den politischen Akteuren sorgen wird, eine tatsächliche Reform also in weiter Ferne liegt.

Trotzdem: Für diese ferne Zukunft wollen Wirtschaftsforscher aller Denkschulen mit Modellen, Studien und internationalen Vorzeigebeispielen gerüstet sein. Ihnen ist klar: Wenn schon Pensionsreform, dann muss das erstens handwerklich ordentlich gemacht sein, damit das zweitens der Wählerschaft gut verkauft werden kann. Vor diesem Hintergrund verwundert es wenig, dass dieser Tage Studien, Positionspapiere und Handlungsaufforderungen auftauchen, als sei die Reform bereits beschlossene Sache. Und als würden laut Langfristgutachten der Alterssicherungskommission aus dem Jahr 2021 nicht die staatlichen Pensionskosten relativ konstant bleiben, während der Anteil der über 65-Jährigen steigt, wie das gewerkschaftsnahe Momentum-Institut in seinem am Dienstag veröffentlichten Pensionsreport hervorhebt.

Eine Frage der Lebenserwartung?

Bei der Arbeit mit diesem Gutachten müsse man aber vorsichtig sein, sagt hingegen Dénes Kucsera, Ökonom des wirtschaftsliberalen Thinktanks Agenda Austria. Die darin enthaltenen Zahlen stammen aus einem Pandemiejahr, in dem pandemiebedingt von einer niedrigeren Lebenserwartung ausgegangen worden war. „Das hat sich jetzt stabilisiert, darum erwarte ich, dass das nächste Langfristgutachten anders ausfallen wird“, sagt er. Auch weil die österreichische Wirtschaft laut Prognose der EU-Kommission für den Zeitraum 2019 bis 2025 wesentlich schwächer wachsen wird als im EU-Schnitt.

Was also tun? Kucsera hält die Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittalters, auch im Hinblick auf die steigende Lebenserwartung, für das beste Mittel. Maßnahmen für längeres Arbeiten im Alter hält er nur teilweise für sinnvoll, weil so die Ansprüche zwar erst später fällig werden, dann aber dafür höher ausfallen. Eine frisch veröffentlichte Studie der Universität Wien zeigt außerdem, dass es neben dem Gesundheitszustand auch einen starken Zusammenhang zwischen den Arbeitsbedingungen (Selbstbestimmung, Interesse an der Tätigkeit, Weiterentwicklungsmöglichkeiten etc.) und der Bereitschaft, im höheren Alter wei­ter­zu­ar­bei­ten, gibt.

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