Mode

Austrian Fashion Awards, aber very international

Mode auf Kinosesseln: Die aktuellen Entwürfe wurden bei den Austrian Fashion Awards (auch) statisch und mit einem Fokus auf Diversität präsentiert.
Mode auf Kinosesseln: Die aktuellen Entwürfe wurden bei den Austrian Fashion Awards (auch) statisch und mit einem Fokus auf Diversität präsentiert.Thomas Lerch
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Das Stelldichein der österreichischen Modeszene brachte Preise für Rosa Mosa und Christoph Rumpf, zudem eine zugesagte Budgeterhöhung für die Trägerorganisation.

Die Mode ist ja ein per se recht international aufgestelltes Business, und das spürte man auch am Abend der Verleihung von Österreichs bestdotierten Modepreisen. Sei es, weil einige der ausgezeichneten oder von der Austrian Fashion Association (AFA) mit Förderungen bedachten Labels in Modestädten wie Paris oder Antwerpen sitzen. Sei es, weil manche Jurymitglieder von fern eingeladen wurden. Oder auch, weil Moderatorin Adia Trischler auf Englisch durch den Abend führte, was ihr, wie sie scherzhaft meinte, „ungraceful German“ nicht anders zulasse.

Es handelt sich bei diesem Preisverleihungsabend im Hernalser Reaktor um den wohl wichtigsten Termin im heimischen Modekalender – im Vorbeigehen sagte jemand angesichts der in dieser Konzentration tatsächlich nur bei dieser einen Gelegenheit auftretenden Präsenz von Modeschaffenden, Stylisten, Fotografen, Netzwerkerinnen: „Ist tatsächlich wieder ein Jahr vergangen?“ Dass gerade in einer überschaubaren Szene mit internationalen Ambitionen die Kooperationsbereitschaft essenziell ist, rief AFA-Chefin Camille Boyer in Erinnerung. Sie hob die „Vielfalt der Persönlichkeiten“ hervor und sprach von der Aufgabe, „durch national und international angelegte Arbeit Perspektiven zu schaffen“.

Der Sprache der Moderation geschuldet kam es dann auch zur kleinen Skurrilität, dass sich die Wiener Kulturstadträtin, Veronica Kaup-Hasler, auf Englisch an das darob etwas verwunderte Publikum wandte. Wie stets bei solchen Gelegenheiten hob Kaup-Hasler die Bedeutung nachhaltigen Modeschaffens hervor, wie es gerade von kleineren Avantgardelabels betrieben werde. Dass von dem „increased budget“ für Kulturangelegenheiten künftig auch die AFA profitieren würde, ließ die Politikerin außerdem noch wissen. Ob sich an der Dotierung des Modepreises der Stadt Wien, seit Jahren mit 10.000 Euro unverändert hoch angesetzt, ebenfalls etwas ändern wird, blieb fürs Erste noch „lost in translation“. Ausgezeichnet wurde Christoph Rumpf, dessen Karriere dank eines anderen Modepreises, nämlich beim Festival von Hyères, international abgehoben ist und der seine Männermode mittlerweile in Paris macht.

Überfällige Anerkennung

Sie werde, kündigte ihrerseits Theresia Niedermüller an, die Leiterin der Kunstsektion im zuständigen Ministerium, ihre Laudatio zwar nicht auf Englisch halten und sprach ihre „apologies for doing it in German“ aus. Allerdings vergab sie den ohnehin schon in Satzlänge betitelten Outstanding Artist Award für experimentelles Modedesign, was wiederum eine „graceful transition“ erlaubte. Dieser ja ein bisschen mit Lebenswerk-Allüren ausgestattete Preis ging an das Accessoirelabel Rosa Mosa, gegründet und unermüdlich vorangetrieben von Simone Springer und Yuji Mizobuchi. Wenn es zu den Kriterien des Preises zählt, dass Handwerkskunst und Kreativität auf innovative Weise zueinander geführt werden, dann ist die Zuerkennung der Auszeichnung an Springer und Mizobuchi tatsächlich längst überfällig gewesen.

Theresia Niedermüller (Kulturministerium), Yuji Mizobuchi und Simone Springer vom Label Rosa Mosa, Camille Boyer (AFA), Designer Christoph Rumpf und Stadträtin Veronika Kaup-Hasler (v. l.)
Theresia Niedermüller (Kulturministerium), Yuji Mizobuchi und Simone Springer vom Label Rosa Mosa, Camille Boyer (AFA), Designer Christoph Rumpf und Stadträtin Veronika Kaup-Hasler (v. l.)Thomas Lerch

Ob vorgesehen sei, dass auch sie selbst etwas sage, fragte Simone Springer, nachdem sie auf die Bühne (eigentlich den Laufsteg) geholt worden war, und wandte sich danach an das Publikum. Schon im Jahr 2001 gründeten sie und Mizobuchi, die sich während des Studiums am Cordwainers College in London kennengelernt hatten, ihre auf Schuhe spezialisierte Marke. In den folgenden zwei Jahrzehnten haben sie diese konsequent positioniert und zu einer internationalen Referenz gemacht. Bezeichnend für die zunehmende Bedeutung einer Verankerung im Inland ist die Tatsache, dass es mittlerweile auch in Wien einen ständigen Shop gibt – als wichtige Anlaufstelle für die Stammkundschaft und Neugierige. Ihre beiden Töchter, erzählte Simone Springer nach Dankesworten an ihr gesamtes – ebenfalls multikulturell zusammengesetztes – Team, hätten sich mittlerweile daran gewöhnt, die Geburtstage etwas verspätet mit der Familie zu feiern, weil die Termine meist in die Zeitfenster der Pariser Modewochen fallen würden. Für diese Anlässe wie übrigens auch für die Zuerkennung des Kunstpreises an Rosa Mosa gilt aber wohl: Wenn man ein bisschen verspätet feiert, ist die Freude über das Fest eventuell umso größer.

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