<strong>Interior.</strong> Couchtische von Mogg und Sofas von Armani Casa.
Wohnluxus

Visualisieren, Stagen und Designen

Victoria Kaiser designt und visualisiert für Immobilienentwickler derzeit in Wien (fast) alles, was an Luxusprojekten auf den Markt kommt. Und wird dann oft auch noch von deren Käufern engagiert.

Ein Bachelor in Wirtschaftsrecht ist nicht unbedingt die klassische Grundlage für eine erfolgreiche Designer-Karriere – aber Victoria Kaisers Weg zu den angesagtesten Wiener Vertreter dieser Zunft hat auch sonst nicht den typischen Verlauf genommen. „Ich habe mich schon immer für Architektur interessiert“, erzählt die 34-Jährige, die derzeit in die Gestaltung und Vermarktung eines Großteils der Wiener Luxus-Projekte involviert ist. „Aber da ich wusste, dass das für eine Frau schwierig sein kann, und immer ein großer Fan meines Opas war, der ebenfalls Wirtschaftsrecht studiert hat, habe ich mich erst mal dafür entschieden, zumindest für den Bachelor“.

<strong>Imagination.</strong> Vom Visualisieren und Stagen bis hin zum Designen: Victoria Kaiser.
Imagination. Vom Visualisieren und Stagen bis hin zum Designen: Victoria Kaiser.Kaiser

»Alle Möbel, die ich in der Arbeit verwende, probiere ich in meiner eigenen Wohnung aus.«

Victoria Kaiser

Designerin

Inspirationen in NYC

Mit diesem in der Tasche arbeitete Kaiser unter anderem auf den Luxusmessen in Wien und Moskau, ehe sie noch einen Master in Kommunikation anschloss – und dann wirklich in Sachen Interior-Design durchstartete. „Ich bin mit 28 für ein Jahr nach New York gegangen, und habe für die Innenarchitektin Cheryl Eisen gearbeitet, die dort mit Homestaging begonnen und das als Marketing Tool genutzt hat“, erinnert sie sich. Auch die US-Möbeldesignerin Kelly Wearstler machte in dieser Zeit einen starken Eindruck auf die Jung-Designerin: „Sie war für mich sehr inspirierend, denn sie arbeitet mit einer tolle Kombination aus eigenen Möbeln und Kunst und ist sehr bestimmt in ihren Produkten, die sie auch für ihre Visualisierungen nutzt“, erinnert sich Kaiser. In Wien seien dagegen zu jener Zeit gegen Ende der Zehner-Jahre potenzielle Wohnungs- und Hauskäufer beim Browsen auf Willhaben.at immer auf das klassische Minotti-Sofa gestoßen, „da sah irgendwie alles gleich aus“, erinnert sie sich. 

Who is Who der Bauträger

Und beschloss, das zu ändern: „Zurück in Wien wollte ich unbedingt sehen, wie das geht, wenn man hochwertige Immobilien mit wirklich teuren Designer-Stücken stagt – wobei ich am Anfang nur noch mit echten Möbeln und nicht mit Visualisierungen gearbeitet habe.“ „Das“ ging so gut, dass Kaiser bis heute keine einzige Aquise machen musste, obwohl sie nach der Gründung ihres Unternehmens vor vier Jahren inzwischen sieben Mitarbeiterinnen beschäftigt. Und eine Kundenliste hat, die sich wie das Who is Who der Wiener Bauträger liest: Darauf finden sich JP Immobilien, Stix & Partner, die Trivalue, Romabul, Create Value und die LNR Development; zu den Groß-Projekten, die zumindest teilweise ihre Handschrift tragen, die Telegraph Yards im Siebten und die Floriette im Dreizehnten.

Angefangen hat in Wien aber alles in der Grünangergasse. „Dort war eine dunkle Wohnung bereits seit drei Jahren am Markt, und der Eigentümer wollte in neue Möbel investieren“, erinnert sie sich. Ein Vorhaben, dass sie so erfolgreich umsetzte, dass sich nicht nur bald ein Käufer fand, sondern dieser die teuren Möbel gleich komplett mitgekaufte. Womit nicht nur eine unbezahlbare Mundpropaganda für Kaiser in Gang kam, sondern auch ein weiteres Geschäftsfeld, denn dieser Käufer sollte nicht der einzige bleiben, der auch nach dem Kauf der Immobilie Kaiser’s Geschmack und Expertise dazu haben wollte.

Gelegenheiten gab es bald genügend, denn nach einem Besuch in der Grünangergasse kam Maklerin Kristina Giacomelli auf die Designerin zu, und beauftragte sie mit den Visualisierungen der Telegraph Yards. „Sie hat bei mir gleich 30 Visualisierungen bestellt, so ein großes Volumen macht nicht jeder“, erinnert sich die Designerin an das Projekt. Und beschreibt, wie viel mehr als nur das Zusammenstellen von Möbeln und die technische Umsetzung es für ein solches Konzept braucht. „Wir haben für die Telegraph Yards die gesamte Ausstattung definiert. Von den Fliesen über die Böden, Wände und Beschläge, und daraus dann die Verkaufsunterlagen gemacht“, erklärt sie die eine Hälfte ihres Jobs, das Immobilien-Marketing, bei der sie für Entwickler und Verkäufer auf Wunsch alles vom Projekt-Logo bis zum Handtuchhalter entwerfen und visualisieren kann.

Interior-Design für Käufer

Die andere Seite ergibt sich dann meist daraus, wenn die Käufer der Einheiten in „ihren“ Luxusprojekten dann genau das haben wollen, was sie auf den Visualisierungen gesehen haben. „Derzeit habe ich den Telegraph Yards fünf und in der Floriette vier Kunden, deren Wohnungen ich komplett von der Planung bis zur Baustellenkoordination betreue“, freut sie sich.

Zu den Gründen für Erfolg zählt die Wienerin, dass sie zum einen mit ihren Kunden die Tagesabläufe und Familiensituation durchgeht, und dabei trotz aller Liebe zu teurem Design auch durchaus zu Fliesen statt Parkett in der Küche rät, wenn es drei Kinder und eine große Kochleidenschaft gibt. Aber vor allem in ihrem Wissen um Marken, die sie in den USA kennengelernt hat und die vielleicht in Wien noch nicht ganz so bekannt sind wie eben Minotti. Zwar finden sich in ihrem Schauraum auch absolute Top-Designer wie Tom Dixon; aber eben auch der New Yorker Designer Jonathan Adler, die dänischen Sofa-Produzenten Bolia oder Cattelan Italia, um nur einige zu nennen.

Ideen für neue Projekte hätte sie auch noch: „Ich würde gern auch noch ein Geschäft aufmachen, aber das geht sich momentan nicht wirklich aus“, lacht sie. Aber irgendwann wird schon Zeit dafür sein – und dann können sich potenzielle Käufer auf eine besondere Beratung freuen. „Denn alle Möbel, die ich in meiner Arbeit verwende, probiere ich erst mal in meiner eigenen Wohnung aus“, verrät sie.

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