Kunst

„Peinlich“ und „kindisch“: Kritik an britischem Premier im Parthenon-Streit

Hier an dieser Stelle im Akropolis Museum in Athen sollte das Parthenonfries zu sehen sein, sagen die Griechen.
Hier an dieser Stelle im Akropolis Museum in Athen sollte das Parthenonfries zu sehen sein, sagen die Griechen.Reuters / Louisa Gouliamaki
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Wegen der Forderung Griechenlands nach der Rückgabe der Parthenon-Skulpturen sagte Rishi Sunak ein Treffen ab. Schwer zu verstehen, sagen sogar Stimmen in seiner eigenen Partei.

Dass der britische Botschafter mehr als die Hälfte der Reliefplatten vom Parthenon-Tempel auf der Akropolis abnehmen ließ und nach England brachte, sie dann 1816 an das British Museum verkaufte, hat einen langen Disput über die Rückgabe der Stücke verursacht. Der im Hier und Jetzt Folgen dem britischen Premier Rishi Sunak ordentlich zusetzt. Medien in Griechenland und Großbritannien nannten am Mittwoch Sunaks kurzfristige Absage eines Treffens mit seinem griechischen Kollegen Kyriakos Mitsotakis „peinlich“, „kindisch“ und „unprofessionell“.

„Es war ein unglückliches Ereignis“, sagte Mitsotakis am Mittwoch. Aber: „Dadurch wurde die gerechte Forderung Griechenlands nach der Wiedervereinigung der Parthenon-Skulpturen nicht nur im Vereinigten Königreich, sondern auch in der Weltöffentlichkeit noch bekannter.“ Andere griechische Politiker zeigten sich weitaus empörter. Die britische „Times“ zitierte Außenminister Giorgos Gerapetritis mit den Worten, die Ausladung sei unerhört. „Es ist eine massive diplomatische Taktlosigkeit. Selbst Israel und die Hamas kommunizieren.“ Wirtschaftsminister Adonis Georgiadis kommentierte, die Forderung nach der Rückgabe der Kunstschätze sei „die Meinung von elf Millionen Griechen und vielen Millionen Menschen in aller Welt“.

Sunak hatte ein für Dienstag geplantes Treffen mit Mitsotakis kurzfristig abgesagt. Offensichtlich war der Premier verärgert über ein BBC-Interview, in dem der Grieche erneut gefordert hatte, London solle die Friesteile des Parthenon-Tempels der Akropolis zurückgeben. Es sei, als würde man die „Mona Lisa“ teilen und jeweils eine Hälfte im Pariser Louvre und im British Museum zeigen, so Mitsotakis.

Downing Street verteidigte die Absage damit, dass Mitsotakis mit dem Interview eine Absprache gebrochen habe, das Thema nicht öffentlich anzusprechen. Doch auch in seiner Konservativen Partei wurde Sunak kritisiert. Die Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Alicia Kearns, sagte, das Vorgehen sei schwer zu verstehen.

Der Streit um den Besitz der Altertümer währt seit Jahrzehnten. Der Parthenon-Tempel („Jungfrauengemach“) ist eines der berühmtesten noch existierenden Baudenkmäler des antiken Griechenlands. Der britische Diplomat Lord Elgin hatte Anfang des 19. Jahrhunderts die am besten erhaltenen Marmorplatten und -skulpturen des Parthenon-Frieses abbauen und nach England bringen lassen. Dort verkaufte er sie 1816 an das Britische Museum. Athen spricht von Diebstahl. (APA/red.)

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