Maremma

Im Weinkeller der Supertoskaner

Es sind zwei Weingüter, welche die Familie Antinori bestellt: Le Mortelle und Guado al Tasso.
Es sind zwei Weingüter, welche die Familie Antinori bestellt: Le Mortelle und Guado al Tasso.Beigestellt.
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Vom Sumpfland zum Weinbaugebiet: Während am Strand der Maremma geplanscht wird, feiert man im Hinterland den Geburtstag der Kultweine.

Die Topseller der Weinkarte der Beach-Bar Encanto White in Castiglione della Pescaia unterscheiden sich wenig von anderen Fischlokalen direkt am Meer. Rosé und leichter Weißwein, hier in der Provinz Grosetto gern eiskalter Vermentino stehen zu den Spaghetti mit Meeresfrüchten auf den Tischen in der Meeresbrise. Sie ist im Oktober schon recht kühl, doch ein kurzer Sprung ins aufgewärmte Mittelmeer vor der toskanischen Küste geht sich allemal aus. „Wir haben hier beides – das Meer und das wilde Landesinnere“, kommentiert Lorenzo Vivoli die Vorzüge der Maremma. Er selbst ist eindeutig im „Team Berg“ zu finden, nicht nur von Berufs wegen. Denn für das aristokratische Weinimperium der Marchesi Antinori führt der Dolomiten-Fan Gäste in die eigenartige Heimat der sogenannten Supertuscans.

Die rund 500 Meter hohen Weinberge der Maremma haben eine der spannendsten Tourismusgeschichten der letzten Jahrzehnte begründet. Erst die amerikanische Bezeichnung machte jene Weine bekannt, die 2024 ein vielfaches Jubiläum feiern, auch wenn sie anfangs ignoriert wurden. Vielleicht gehört zu den drei „P“ von Pa­triarch Piero Antinori deshalb neben „Produkt“ und „Passion“ auch „Pazienza“ – Geduld. 1944 startete sein Cousin, der Marchese Mario Incisa della Rocchetta, mit dem Anbau französischer Trauben in Bolgheri. Cabernet Sauvignon und Merlot wollte der Liebhaber dieser im Bordeaux so wesentlichen Sorten in seiner neuen Heimat (die Familie stammte aus dem Piemont) kultivieren. Der „Haustrunk“ der Grafenfamilie fiel allerdings so gut aus, dass Piero Antinori seinen Önologen „verborgte“, um eine kommerzielle Nutzung des auf steinigem Grund wachsenden Weines zu ermöglichen. „Sassi“, die Felsen, gaben dem ersten „Supertuscan“ 1968 seinen Namen: Sassicaia.

Die italiensiche Region Maremma ist vielseitig, verfügt über Meereszugang und Weinberge im Landesinneren.
Die italiensiche Region Maremma ist vielseitig, verfügt über Meereszugang und Weinberge im Landesinneren.Francesco Landi

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