Nahost-Konflikt

Ahed Tamimi, die Symbolfigur der Palästinenser ist wieder frei

Ahed Tamimi
Ahed Tamimi Reuters / Ammar Awad
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Am Mittwoch entließ Israel die 22-jährige Palästinenserin gemeinsam mit 29 anderen Häftlingen aus dem Gefängnis. Israel hatte ihr zuletzt vorgeworfen, zu Mord aufgerufen zu haben. Sie wurde bekannt, als sie mit 16 Jahren einen israelischen Soldaten ohrfeigte.

Blaue Augen, langes krauses Haar, ein Palästinensertuch um den Hals gewickelt. Das Porträt von Ahed Tamimi ziert nicht nur die Wände des Elternhauses der 22-Jährigen im Westjordanland, sondern blickt auch überlebensgroß von der durch Israel errichteten Teilungsmauer in Betlehem. Die Aktivistin gilt für viele im arabischen Raum als Symbolfigur des Widerstands gegen Israel und die Besatzung im Westjordanland. Israels Behörden sehen in ihr hingegen eine gefährliche Extremistin. Mit ihren Aktionen gegen die israelische Armee ist sie zu einer Art Nationalheldin der Palästinenser avanciert.

Am Mittwoch ließ die israelische Strafvollzugsbehörde Tamimi gemeinsam mit 29 weiteren palästinensischen Gefangenen im Rahmen des zwischen Hamas und Israel vereinbarten Abkommens frei. Bilder zeigen, wie die junge Frau von ihrer Mutter in Empfang genommen wird. Der Austausch ist ein zentrales Element der von Katar vermittelten Vereinbarung. Sie sieht die Freilassung israelischer Geiseln durch die Terrororganisation Hamas und palästinensischer Häftlinge durch Israel vor. Gleichzeitig herrscht eine Waffenruhe, die ursprünglich auf vier Tage angelegt war und nun mehrmals verlängert worden ist.

Ahed Tamimi nach ihrer Freilassung aus israelischer Haft mit ihrer Mutter.
Ahed Tamimi nach ihrer Freilassung aus israelischer Haft mit ihrer Mutter.APA / AFP / John Macdougall

Instagram-Post: „Wir werden euch abschlachten“

Vor ihrer Freilassung befand sich Tamimi drei Wochen ohne Anklage oder Gerichtsverfahren in israelischer Verwaltungshaft. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International bezeichnet diese als „eine gezielte israelische Vorgehensweise, um Personen, darunter auch gewaltlose politische Gefangene, allein wegen der Ausübung ihrer Rechte auf Meinungs- und Vereinigungsfreiheit zu inhaftieren. Damit sollen sie für ihre Ansichten und ihren Aktivismus gegen die Besetzungspolitik bestraft werden.“

Anfang November hatten Israels Sicherheitskräfte Tamimi in einer nächtlichen Razzia in ihrem Zuhause in Nabih Saleh, 20 Kilometer nordwestlich von Ramallah, verhaftet. Sie wurde von der Armee beschuldigt, „zu Gewalttaten aufzurufen und zu terroristischen Aktivitäten zu verleiten“. Die Palästinenserin soll eine Woche zuvor in einer Instagram-Story gepostet haben: „Wir warten auf euch in allen Städten des Westjordanlands, von Hebron bis Jenin – wir werden euch abschlachten und ihr werdet sagen, dass das, was Hitler euch angetan hat, ein Witz war, wir werden euer Blut trinken und eure Schädel essen, kommt schon, wir warten auf euch.“ Die Familie bestreitet, dass Tamimi diese Worte selbst verfasste. Ihr Social-Media-Konto sei gehackt worden.

Vater wegen Anstiftung zu Steinwürfen im Gefängnis

Auch Tamimis Vater kämpft seit Jahren gegen Israel. 2012 verurteilte ihn ein israelisches Militärgericht wegen Anstiftung zu Steinwürfen auf Soldaten zu 13 Monaten Gefängnis. Ende Oktober, nach dem verheerenden Terrorangriff der Hamas auf Israel, war er ebenfalls in Verwaltungshaft gesteckt worden.

Tamimis Porträt auf der Sperrmauer in Betlehem.
Tamimis Porträt auf der Sperrmauer in Betlehem.APA / AFP / Hazem Bader

Tamimi wurde bereits 2017 bekannt, als sie im Alter von 16 Jahren einen israelischen Soldaten ohrfeigte, der ihr Dorf durchsucht hatte. Das Video des Vorfalls ging um die Welt und machte sie bekannt. Damals war sie zu acht Monaten Haft verurteilt worden.

Auslöser des Gaza-Kriegs war das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels, das Terroristen aus dem Gazastreifen am 7. Oktober in Israel nahe der Grenze begangen haben. Dabei wurden mehr als 1.200 Menschen getötet. Etwa 240 Geiseln wurden nach Gaza verschleppt, auch mehrere Deutsche. Israel reagierte mit massiven Luftangriffen und einer Blockade des Gazastreifens. Ende Oktober begannen seine Streitkräfte eine Bodenoffensive. Dabei wurden nach Angaben der Hamas fast 15.000 Menschen getötet und mehr als 36.000 verletzt. Die Zahlen lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen.

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