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Oma ist der Grund, warum wir alle Ski fahren

Foto: Archiv Avital Carroll
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In Brisbane übt Avital neue Sprünge über einem Pool. Mit Neoprenanzug, Helm, Schwimmweste und Skistöcken rast sie eine Schanze hinunter. Die Neo-Österreicherin tritt für das Nationalteam im Buckelpistenbewerb an. Ihre Großeltern flüchteten einst vor dem Holocaust nach New York.

Avital Carroll freut sich auf den Start der neuen Skisaison. Die 1996 in New York City Geborene wird in diesem Winter zum zweiten Mal für Österreich in den Buckelpistenbewerben antreten. Im Februar 2023 gewann sie bereits zwei Bronzemedaillen für Österreich bei den FIS Freestyle Ski- und Snowboard-Weltmeisterschaften in Bakuriani, Georgien. „Ich möchte in der kommenden Saison öfter auf dem Podest stehen und den Schwierigkeitsgrad meiner Sprünge erhöhen“, erklärt Avital, die während des Sommers in Australien trainiert. In Brisbane übt sie neue Sprünge über einem Pool. Mit Neoprenanzug, Helm, Schwimmweste und Skistöcken ausgerüstet, rast sie eine Schanze hinunter, wirbelt durch die Luft und landet dann im Wasser. Danach geht es ins Skigebiet Perisher in New South Wales südlich von Canberra. Avital ist mit Bobby, dem Trainer des australischen Herren-Ski-Teams, verheiratet, von dem sie auch trainiert wird.

Avital, der Name heißt auf Hebräisch „Sohn vom Morgentau“, beantragte während der Pandemie per Post beim österreichischen Konsulat in Los Angeles ihre österreichische Staatsbürgerschaft. Möglich wurde dieser Schritt durch die Novellierung des österreichischen Staatsbürgerschaftsgesetzes, die es den Nachkommen von durch die Nationalsozialisten Verfolgten ermöglicht, die Staatsbürgerschaft ihrer Vorfahren anzunehmen. Avitals Großmutter, Elfrieda Hendell, geborene Strauber, war 1939 mit ihren Eltern und ihrer fünf Jahre jüngeren Schwester zunächst aus Wien nach Italien und dann 1944 von Neapel nach New York geflohen. Über ihre Teilnahme im österreichischen Freestyle-Team sagt Avital: „Es ist eine großartige Gelegenheit, meine Herkunft zu repräsentieren. So kann ich beide Welten vereinen.“ Die Erlangung der österreichischen Staatsbürgerschaft dauerte nur wenige Monate. „Es zeigt, dass Österreich Juden wieder nach Österreich zurückholen und mit offenen Armen empfangen will.“

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Ihre „Oma Elfi“ wurde 1932 in Wien geboren und wuchs in einem jüdisch-orthodoxen Umfeld auf. Sie war von ihren Erfahrungen in der Kindheit traumatisiert. „Meiner Oma fiel es sehr schwer, über den Holocaust zu sprechen. Manchmal hörte ich sie Deutsch reden. Ich erinnere mich, dass ich auf ihrem Schoß saß und sie ,Hoppe, hoppe Reiter‘ mit mir spielte“, erzählt Avital. Vor allem an die Flucht der Familie mit dem Zug von Wien nach Italien erinnerte sich die Großmutter genauestens. Sie war sieben Jahre alt gewesen und musste ihre zweijährige Schwester Marian während der Zugfahrt ruhig halten, damit niemand auf die Familie aufmerksam wurde.

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