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Handy und Tablet statt Block und Stift: Polizei in Österreich wird digitaler

660 Menschen beginnen am Freitag mit der Ausbildung zum Polizisten.
660 Menschen beginnen am Freitag mit der Ausbildung zum Polizisten.APA / Eva Manhart
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Rund 32.000 Smartphones werden in den nächsten zwei Jahren bei den Polizistinnen und Polizisten getauscht. Mehr als 50 Prozent aller Anzeigen sollen digital aufgenommen werden, teilt Innenminister Gerhard Karner mit.

Die Polizei legt Block und Bleistift aus der Hand und setzt künftig bei vielen Amtshandlungen auf Handy, Tablet und spezielle interne Apps. „In den nächsten zwei Jahren werden bei den uniformierten Polizistinnen und Polizisten rund 32.000 Smartphones getauscht“, sagte Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) bei einer Pressekonferenz am Freitag in Wien.

Dazu kämen noch 3200 neue Tablets. In einem ersten Schritt sollen mehr als 50 Prozent aller Anzeigen digital aufgenommen werden. Ziel sei, „dass ab Anfang 2026 Block und Bleistift gänzlich wegfallen bei der Exekutive“, betonte der Ressortchef. Die modernere Ausstattung ermögliche der Polizei, schneller zu werden und bringe eine Entlastung von Bürokratie.

Analoge vs. digitale Polizei

Den Unterschied zwischen „analogen“ Amtshandlungen zur „Polizei digital“ skizzierte Franz Ruf, Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit. Personenkontrollen etwa laufen herkömmlich in Österreich so ab: Eine Person wird angehalten, der Ausweis kontrolliert, die Daten werden per Funk an die Dienststelle weitergegeben, wo ein weiterer Beamter Fahndungsabfragen stellt und das Ergebnis über Funk an den ersten Kollegen übermittelt. Mit den neuen iPhone 14-Diensthandys werde die Fallbearbeitung im Außendienst hingegen schnell und einfach: Über eine interne, sichere App wird die Abfrage an Ort und Stelle durchgeführt. Das komme im Berufsalltag sehr gut an und sei im vergangenen Monat österreichweit schon 4,4 Millionen Mal genützt worden, so Ruf.

Nicht viel weniger umständlich wurden bisher Fahndungsfotos weitergeleitet: Per Mail an die Dienststellen, wo die Polizistinnen und Polizisten sie sich „einprägten“, ehe sie in den Außendienst gingen. Jetzt sollen Fotos „in Echtzeit“ auf eine App kommen, „in entsprechender Qualität, und die Fahndung kann beginnen“, meinte Ruf.

3000 zusätzliche Körperkameras

Die bessere Qualität der Smartphone-Kameras mache mobile Fallbearbeitung etwa bei Verkehrsunfällen, Einbruchdiebstählen oder Sachbeschädigungen möglich. Fotos können hier direkt in die Aktensysteme gespeist werden, es reicht eine Einmalprotokollierung. Im Bundeskriminalamt werden zudem Fingerabdruck-Aufnahmen einem Testbetrieb unterzogen - die Handy-Fingerprint-Scans wären sofort abgleichbar mit den biometrischen Systemen der Polizei, sagte der Generaldirektor. Nicht zuletzt ermöglichten neue Technologien auch die Beweisaufnahme bei Nacht, so Karner.

Auch die Ausstattung mit Bodycams schreitet voran: Derzeit verfüge die Polizei über knapp 400 Stück, im nächsten Halbjahr würden 3000 zusätzliche angeschafft, kündigte der Innenminister an. Die ersten 300 der neuen Körperkameras sollen noch im Dezember ausgeliefert werden. Und in die Hubschrauberflotte werden 2024 zehn Millionen Euro investiert.

660 beginnen Polizei-Ausbildung

Generell sei heute „ein guter Tag für die Sicherheit, denn heute ist Schulbeginn für 660 junge Polizistinnen und Polizisten“, sagte Karner. Allein in diesem Herbst hätten somit in Summe mehr als 1200 Polizeischülerinnen und -schüler ihre zweijährige Ausbildung begonnen. „Die Personaloffensive wirkt und wird fortgesetzt“, die Polizei brauche aber auch moderne Ausrüstung, sagt der Innenminister und verwies auf das vier Milliarden und 54,7 Millionen Euro schwere Budget für den Sicherheitsbereich. (APA)

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