Pizzicato

Die Schmuggler im Stau

Für Kinder der 1980er war „Schmuggeln“ ein beliebtes Spiel. Heute gibt es diesen analogen Spaß wohl nicht mehr. Woher sollte man ihn auch kennen?

Voriges Wochenende war allerorts Schneechaos. Die Stunden im Stau weckten bei manchen Erinnerungen an früher. Nicht nur ob der Schneemassen, die man als Kindheitserinnerung mitschleppt. Sondern auch, weil man sonst als Familie kaum mehr so lang im Auto sitzt. Das gehörte doch früher auf Reisen dazu: nämlich vor jeder Grenze. Statt mit Eis und Schnee galt es mit Hitze und Sonne zurechtzukommen, während die Grenzbeamten ihres Amtes walteten. Wer in den 1980er-Jahren Kind war, kennt den Satz: „Wenn ihr bei der Grenze schlaft, bekommt ihr ein Cornetto!“

Wir wurden darauf trainiert, uns zumindest schlafend zu stellen, bevor die Grenzpolizisten ins Auto blickten. Bei manchen Familien lagerten, in Schlafsack oder Zelthülle gewickelt, Meta­xa­flaschen und Zigarettenstangen. Freilich war für Kinder der 1980er auch „Schmuggeln“ ein beliebtes Spiel: Wer kann mehr Steine oder Spielgeld auf seinem Radl durch die gespielte Grenzkontrolle bringen? Heute gibt es diesen analogen Spaß für die jüngste Generation wohl nicht mehr. Woher sollte sie es kennen? Nur ein Schmuggler bleibt seit 50 Jahren gleich: die Gaststätte Schmuggler in Freilassing, gleich hinter der Grenze Österreich/Deutschland. Nicht mal die simple Werbung, die alle in Salzburg aus dem Lichtspielhaus Das Kino kennen, hat sich im Jahr 2023 verändert.

E-Mails an: veronika.schmidt@diepresse.com

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.