Gastkommentar

Bildung: Es fehlen Mut und Wille für neue Ansätze

Sieben Maßnahmen, wie unser Schulsystem verbessert werden kann.

Die Ergebnisse der diesjährigen Pisa-Studie zeigen, dass dringender Handlungsbedarf zur Verbesserung der Bildungschancen in Österreich besteht. Dabei ist klar: Eine Welt, in der sich vieles rasch verändert, ist für Strukturen, wie sie Österreichs Bildungssystem bietet, mehr als herausfordernd. Wer sich aber den neuen Herausforderungen nicht stellt, wird die Chancen von heute und morgen nicht nutzen können.

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Die Welt hat sich in den letzten zehn Jahren stärker verändert als in den 90 Jahren zuvor. Viele Berufe, die es 2035 geben wird, sind heute noch unbekannt. Doch wie bereitet Bildung den Nachwuchs auf diese volatile Umgebung vor? Was sind die berühmten „21st Century Skills“, um für diese Welt im Wandel gut gerüstet zu sein? Mit diesen sieben Maßnahmen machen wir unsere Bildung fit für die Zukunft:

1. Schulautonomie stärken: Wie etwa in Finnland sollen Schulen auch in Österreich mehr Entscheidungsfreiheit bei Lehrplänen, Ressourcenmanagement und Personalentscheidungen erhalten. Dies ermöglicht eine flexiblere Gestaltung des Unterrichts und eine bessere Anpassung an die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler.

2. Entlastung der Lehrerschaft: Der akute Lehrkräftemangel an Österreichs Schulen muss dringend behoben werden. Steigende Schülerzahlen und die bevorstehende Pensionierungswelle erfordern eine verstärkte Rekrutierung und Ausbildung von qualifiziertem Lehrpersonal. Kurzfristig ist es essenziell, dass Lehrkräfte von administrativen Aufgaben entlastet werden.

3. Stärken statt Schwächen: Das Bildungssystem sollte nicht nur auf die Unterstützung von Schülern mit Förderbedarf ausgerichtet sein, sondern auch auf die Entfaltung des Potenzials derjenigen, die in bestimmten Bereichen besonders begabt oder interessiert sind. Die Förderung von Begabungen und Interessen sollte einen höheren Stellenwert erhalten.

4. Digitale Bildung optimieren: Die Digitalisierung bietet Chancen, aber auch Herausforderungen. Das Lehrpersonal muss besser auf den Einsatz digitaler Medien im Unterricht vorbereitet und die Ausstattung der Schulen mit digitalen Geräten verbessert werden. Gleichzeitig muss der Einsatz digitaler Medien sinnvoll gestaltet werden.

5. Chancengleichheit stärken: Bildung darf nicht von der sozialen Herkunft abhängen. Es ist notwendig, Maßnahmen zu ergreifen, um Bildungsungleichheiten zu reduzieren und sicherzustellen, dass alle Schüler gleiche Bildungschancen erhalten – unabhängig vom Geldbörserl der Eltern.

6. Kompetenzen vermitteln: Dass die neuen Lehrpläne stärker auf die Entwicklung von fächerübergreifenden Kompetenzen fokussieren, ist gut (auch wenn sie praxisnäher sein müssten). Aber es braucht ein sinnvolles Konzept, wie die Vermittlung dieser Kompetenzen funktionieren kann.

7. Schule als sozialer Raum: Schule soll nicht nur ein Ort des Lernens, sondern auch des sozialen Austauschs und der Kooperation sein. Sie sollte in die Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden investieren und die Kooperation zwischen Schülern fördern.

Es gibt viele mögliche Lösungen und Ansätze, die alle auf dem Tisch liegen und nicht einmal unendlich viel Geld kosten. Was fehlt, sind der Mut und der politische Wille, die Herausforderungen entschlossen anzugehen. Dinge loszulassen, um Neues aufzubauen. Das sollte uns die Zukunft unserer Kinder und damit unserer Gesellschaft wert sein!

Maximilian Schulyok ist seit 2020 Geschäftsführer des Österreichischen Bundesverlags (ÖBV). Vorstand der Allianz Bildungsmedien Österreich, der Interessenvertretung der professionellen Bildungsmedienanbieter.

E-Mails an: debatte@diepresse.com

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