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Brucknerfest Linz

Bruckners runden Geburtstag ein Jahr lang feiern

Franz Welser-Möst wird mit dem Cleveland Orchestra an Bruckners Geburtstag, dem 4. September 2024, Bruckners vierte Sinfonie ebenso aufführen wie das Vorspiel und den Liebestod aus „Tristan und Isolde“. 
Franz Welser-Möst wird mit dem Cleveland Orchestra an Bruckners Geburtstag, dem 4. September 2024, Bruckners vierte Sinfonie ebenso aufführen wie das Vorspiel und den Liebestod aus „Tristan und Isolde“. Roger Mastroianni
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Das Internationale Brucknerfest Linz 2024 wird eines mit Superlativen. Schon zuvor veranstaltet das ­Brucknerhaus Linz besondere Konzerte anlässlich des 200. Geburtstags des Namensgebers.

Es gibt eine Menge zu feiern in Linz: Einerseits jährt sich der Geburtstag des großen Sohnes Anton Bruckner 2024 zum 200. Mal. Andererseits hat auch das Brucknerhaus Linz selbst ein Alter von 50 Jahren erreicht. Beidem gilt es umfassend zu gedenken. Das Internationale Brucknerfest wird wie alljährlich im September und Oktober stattfinden und dieses Mal die Musik des Namensgebers ganz besonders ins Zentrum stellen, aber schon von 1. Jänner an wird im Brucknerhaus gefeiert. An diesem Tag spielen das Bruckner Orchester Linz und sein Chefdirigent Markus Poschner selbstverständlich Werke des Jahresregenten, wenn das Scherzo aus der „Annullierten“ ebenso auf dem Programm steht wie jenes aus der neunten Sinfonie. Der Tatsache, dass Bruckner der dörflichen Musikpflege seiner Zeit eng verbunden war, trägt man damit gleichermaßen Rechnung wie mit der Gegenüberstellung von Werken von Bedřich Smetana und Leoš Janáček. Feurige Tanzmusik mit Bruckner-Bezug steht also im Vordergrund, wenn das Orchester zum Neujahrskonzert einlädt.

Wie zu Bruckners Zeiten

Und diese Scherzi geben auch gleich einen Vorgeschmack auf das Großprojekt, das heuer beim Internationalen Brucknerfest Linz für Strahlkraft weit über die Grenzen Österreichs hinaus sorgen soll: Denn als Höhepunkt des Festivals 2024, dessen Veranstaltungsprogramm wie gewohnt von 4. September bis 11. Oktober reichen wird, werden sämtliche Sinfonien des Komponisten aufgeführt – in ihrer Ursprungsversion und von Originalklangorchestern, also mit Instrumenten, wie sie zu Bruckners Zeiten üblich waren. „Das hat die Welt noch nicht gehört“, sagt Dietmar Kerschbaum, Intendant des Internationalen Brucknerfests. Man habe lang überlegt, erzählt er, „wie wir im Jubiläumsjahr, in dem Bruckner auch in anderen Ländern gefeiert wird, ein Alleinstellungsmerkmal kreieren können. Wir möchten etwas ganz Besonderes anbieten – und das wird uns mit der Möglichkeit, die elf Sinfonien im Gesamtklang so zu erleben, wie Bruckner sie ursprünglich wollte, bestimmt gelingen“. Mitgezählt werden bei den elf Sinfonien auch die „Studiensinfonie“ und die „Annullierte“, auf Letztere können Neujahrskonzert-Besucher schon einen Vorgeschmack bekommen.

Insgesamt soll der Zyklus „eine Entdeckungsreise in elf Konzerten werden, die in dieser Konstellation nur im Brucknerhaus Linz und dort jeweils exklusiv in Österreich zu hören sind“, heißt es in der Ankündigung. Damit setze man, so Kerschbaum, „ein Zeichen, das international weithin beachtet werden wird. Ich hoffe auf großes Interesse daran, wie diese Werke zur Zeit von Bruckner wirklich geklungen haben“. Er konnte für das Projekt unter anderen den Concentus Musicus Wien unter Stefan Gottfried, Le Concert des Nations unter Jordi Savall, Les Musiciens du Louvre mit Marc Minkowski am Pult sowie das Orchestre des Champs-Élysées unter Philippe Herreweghe engagieren. Auch diese können der Idee viel abgewinnen, Bruckners Sinfonien nicht auf modernem Instrumentarium, wie die Hörer es weithin gewohnt sind, sondern auf Instrumenten seiner Zeit zu spielen. Unterschiede wird man schon allein deshalb hören, weil der Komponist seine Werke beispielsweise eigentlich für Streichinstrumente mit weicher klingenden Darmsaiten schrieb.

Einer der musikalischen Leiter, Philippe Herreweghe, zeigt sich überzeugt: „Der Einsatz des historischen Instrumentariums wird sich besonders auf die Klangfarbe auswirken.“ Er spricht davon, dass unter anderem die Melancholie in den langsamen Sätzen der von ihm geleiteten „Achten“ stärker zum Ausdruck käme. „Auch ist der Klang aufgrund der historischen Blas­instrumente insgesamt weniger ‚aggressiv‘“, so Herreweghes Einschätzung. Die Erstfassung werde „Bruckners ursprüngliche Intention widerspiegeln“. Auch Pablo Heras-Casado, der mit Anima Eterna Brugge Bruckners „Dritte“ in der Fassung von 1873 zur Aufführung bringen wird, zeigt sich „sicher, das Publikum wird von der großen Vielfalt an Farben und Texturen sowohl überrascht als auch fasziniert sein“. Durch die historischen Instrumente erreiche man weniger Schwere, wie sie oft mit Bruckner assoziiert wird, sondern mehr Durchhörbarkeit, so Heras-Casado. Und Christoph Spering, der Bruckners „Erste“ in der „Linzer Fassung“ mit dem Neuen Orchester präsentieren wird, sagt: „Als ‚Ausgräber‘, der in den letzten 40 Jahren zahlreiche Werke einem Dornröschenschlaf entrissen und oftmals deren erste neuzeitliche Aufführung initiiert hat, kann mich die Urfassung eines Repertoirestücks, wie es die ‚Linzer Fassung‘ von Bruckners ‚Erster‘ ist, nicht kaltlassen. Besonders interessant ist dabei die Quellenlage und da sind wir in der glücklichen Situation, aus einer Neuausgabe spielen zu können, die erstmals auf dem Stimmenmaterial der Uraufführung vom 9. Mai 1868 basiert.“ Intendant Dietmar Kerschbaum zeigt sich jedenfalls überzeugt: „Die Klangwelt wird eine andere sein als jene, die wir kennen. Nach diesem Brucknerfest werden wir alle um viele Hörerfahrungen reicher sein.“

Selbst wenn der Sinfonien-Zyklus im Originalklang ganz besondere Erlebnisse ermöglichen möchte, kommen auch jene Besucher und Besucherinnen beim Brucknerfest 2024 nicht zu kurz, die Sinfonien auf modernen Instrumenten bevorzugen. So spielen die Wiener Philharmoniker unter Christian Thielemann, der ja nun zum Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper Unter den Linden berufen wurde, Bruckners „Erste“ in der „Wiener Fassung“. Thielemann und das Orchester können als Experten dafür gelten, haben sie doch Bruckners Sinfonien zuletzt auf CD herausgebracht. Die „Achte“ mit modernen Instrumenten werden wiederum Markus Poschner und das Bruckner Orchester Linz präsentieren, wenn sie beim Brucknerfest-Abschlusskonzert in der Stiftsbasilika St. Florian auftreten.

Besonderes Freiluftkonzert

Als weiterer Höhepunkt des Brucknerjahres ist ein ganz besonderes Geburtstagsständchen geplant: Franz Welser-Möst wird am Jubeltag selbst, dem 4. September, mit dem Cleveland Orchestra Bruckners vierte Sinfonie ebenso aufführen wie das Vorspiel und den Liebestod aus „Tristan und Isolde“. Dies werde man nicht in Konzerträumlichkeiten machen, sondern auf einer Freifläche zwischen Pfarrkirche und Pfarrhof von Ansfelden, dem Geburtsort Bruckners. Das Freiluftkonzert soll „Bruckners Musik in alle Welt hinaustragen und ein Friedenszeichen setzen“, sagt Dietmar Kerschbaum.

Die Veranstaltung wird nicht nur als Public Viewing in die Linzer Innenstadt gebracht, sondern auch von einigen Fernsehsendern international übertragen. Beim traditionellen Festakt zur Eröffnung des Brucknerfests kommt das Bruckner Orchester Linz zum Einsatz, Markus Poschner wird am Pult stehen. Neben Musik des Jahresregenten wird auch eine Uraufführung erklingen, nämlich jene von Johannes Berauers „InstAnt on“. „Dieses neue Werk eines ebenfalls oberösterreichischen Komponisten wird zwischen Klassik, Jazz und Weltmusik changieren“, kündigt Kerschbaum an. Das Internationale Brucknerfest wird den Jahresregenten auch darüber hinaus umfassend feiern, sei es mit Aufführungen seiner großen Messen, mit Liederabenden, unter anderem mit Thomas Hampson, sei es aber auch mit Flashmobs und Pop-up-Konzerten in der Linzer Innenstadt, bei denen auch von Bruckner inspirierte Improvisation großgeschrieben werden darf.

Brucknerfest 2024

Zu Bruckners 200. Geburtstag wird unter dem Motto „Unendliche Weiten. Bruckners Werk als Griff nach den Sternen“ ein einzigartiger Konzertreigen präsentiert. www.brucknerfest.at


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