Analyse

Salzburgs Überlegenheit kennt noch kein Ablaufdatum

Torhüter Alexander Schlager ist mit ein Grund für Salzburgs Tabellenführung. Er kassierte nur zehn Gegentore in der Liga.
Torhüter Alexander Schlager ist mit ein Grund für Salzburgs Tabellenführung. Er kassierte nur zehn Gegentore in der Liga.GEPA pictures / Armin Rauthner
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Salzburg ist als Österreichs „Winterkönig“ auf direktem Weg zum elften Titel in Folge. Aber nicht jedes Talent überzeugt, manches mutet wacklig an. Nur Sturm Graz liegt auf der Lauer.

Wien. Es ist keine Überraschung: Salzburg ist weiterhin die Nummer eins im österreichischen Fußball und stolzer „Winterkönig“. Wenngleich das Spiel des Seriensiegers bei weitem nicht mehr so souverän ist wie in den Jahren zuvor und sich ob der ewig zahlreichen Ab- wie Zugänge bei der Kaderqualität mitunter eine „Verwässerung“ bemerkbar macht, ist Salzburg in der Bundesliga weiter der Klub, den es zu schlagen gilt. Ob es Kritikern und Gegnern passt, oder eben nicht.

Fünf von 17 Runden waren die Salzburger nicht die Nummer eins, seit vier Wochen sind sie es jedoch wieder durchgehend gewesen. 13 Siege und zwei Niederlagen (je 0:1 daheim gegen BW Linz und Lask) sowie drei Remis stehen zu Buche, 34 geschossene und zehn kassierte Tore sagen in Wahrheit als Bestwerte in der ganzen Liga alles über Offensive und Abwehr aus. Stürmer Karim Konate steht im internen und auch im ligaweiten Ranking (nebst drei anderen) mit acht Treffern allen voran.

21,3 Jahre Altersschnitt

Nur in der „Heimtabelle“, wenn man sie denn für diese Betrachtung heranziehen will, ist Salzburg nicht Erster. Da hat Lask (acht Spiele, sechs Siege, zwei Remis) die Nase vorne. Dafür ist die Disziplin des extrem jungen Bullen-Kaders (21,3 Jahre im Schnitt) überragend: 33 Gelbe Karten, nur eine Rote.

Natürlich, die Kritik an der Mannschaft von Gerhard Struber kennt viele Blickrichtungen und kein Ende. Nicht übersehen werden dabei darf, dass Leistungsträger wochenlang verletzt fehlten und die Mehrfachbelastung mit Liga, Cup und Champions League ihren Tribut einforderte. Nur, in allen Bewerben hat man das eigene Gedeih noch selbst auf dem Fuß. Am Dienstag ist Benfica Lissabon, nach Uefa-Strafe ohne Fans, zu Gast. Das Überwintern im Europacup (seit 2017 durchgehend) und Weiterspielen in der Europa League ist für Salzburg möglich. Das Hinspiel gewann man mit 2:0.

Das vielerseits reklamierte Fehlen von Routiniers mag berechtigt sein. Manch Youngster hat auch mehr Luft nach oben denn gedacht. Wobei man vor Sportchef Bernhard Seonbuchner und Struber (Schnitt: 2,25 Punkte) dafür den Hut ziehen muss nach dem Umbruch im Sommer mit dem Abschied von Christoph Freund oder der „Wüstenflucht“ von Matthias Jaissle. Sie blieben der Klub- oder Konzernphilosophie ohne Zweifel treu, sie vertrauten unentwegt auf ihre jungen Fußballer. Auf solche, die aus der eigenen Akademie kommen, weltweit gescoutet und dann in Liefering beim Zweitligaklub ausgebildet werden oder als direkte Transfers (etwa Oscar Gloukh, Vertrag bis 2027) in Millionenhöhe gleich den direkten Weg nach Wals-Siezenheim genommen haben.

Am Gesamtauftritt änderte es nichts: die „Bullen“ sind seit 24 Liga-Auswärtsspielen (Samstag 1:0 gegen Rapid) ungeschlagen und überboten die von Wacker Innsbruck (Oktober 1988 bis Februar 1990) gehaltene Bestmarke. Rapid ist seit 21 Spielen gegen Salzburg ohne Sieg, gewann zuletzt 2019.

Wiener Ernüchterung

Auch im Rest des Feldes hat sich wenig bis nichts verändert. Sturm Graz bietet unterhaltsamen Fußball und ist Salzburgs größter Gegner. Lask findet sich, Hartberg (Markus Schopp) und Klagenfurt (Peter Pacult) überraschen, Rapid und Austria müssen hingegen um den Einzug in die Meistergruppe „raufen“. Dass Lustenau bislang sieglos ist und 40 Gegentreffer kassiert hat, beantwortet schnell die Frage nach dem Absteiger.

Die Liga pausiert bis 10. Februar, dann warten fünf Runden, ehe sich Streu und Weizen, also Meister- und Qualifikationsgruppe mit je sechs Klubs trennen. Dass am Ende Salzburg nicht Meister wird, bedarf gravierender Veränderungen. Aktuell muss diese Überlegenheit kein Ablaufdatum fürchten.

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