Geldpolitik

Noch keine Zinssenkung: Euro-Leitzins bleibt unverändert

EZB-Chefin Christine Lagarde legt zum zweiten Mal eine Zinspause ein.
EZB-Chefin Christine Lagarde legt zum zweiten Mal eine Zinspause ein. Reuters / Kai Pfaffenbach
  • Drucken
  • Kommentieren

Ist die Inflationsgefahr bereits gebannt? Die Märkte rechnen jedenfalls schon im Frühjahr mit einer ersten Zinssenkung.

Frankfurt/Wien. Es bleibt bei der Zinspause. Das hat die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag auf ihrer letzten geldpolitischen Sitzung in diesem Jahr beschlossen. Der Leitzins bleibt vorerst auf dem Niveau von 4,5 Prozent. Der Einlagensatz, den die Banken für das Parken überschüssiger Gelder bei der Notenbank erhalten, bleibt auf dem Rekordniveau von vier Prozent.

Zwischen 2016 und 2022 hatte die Notenbank die Zinsen bei null Prozent gehalten. Dann hatte sie ihre Strategie abrupt geändert und zwischen Juli 2022 und September 2023 die Zinsen in zehn Schritten auf 4,5 Prozent angehoben, ein Niveau, das es zuletzt im Jahr 2000 gegeben hatte. Grund war das Emporschnellen der Inflation, die sich jahrelang unter dem von der EZB angestrebten Niveau von zwei Prozent gehalten hatte, infolge von Lieferengpässen wegen der Corona-Beschränkungen und dem Ausbruch des Ukrainekriegs aber in die Höhe gesprungen war. Die Währungshüter hielten das Problem zunächst für temporär und reagierten spät, aber heftig. Im Oktober 2022 sprang die Teuerungsrate in den zweistelligen Prozentbereich. Seitdem ist sie rückläufig, im November betrug sie in der gesamten Eurozone „nur“ noch 2,4 Prozent. In Österreich lag sie mit 5,4 Prozent jedoch noch deutlich höher.

Bald erste Senkung?

Kann die EZB die Zinsen daher schon bald wieder senken? Zwar hatte EZB-Chefin Christine Lagarde im November gesagt, dass sich bei den Zinsen in den nächsten paar Quartalen nichts ändern werde, am Finanzmarkt wird aber bereits im Frühjahr 2024 mit einer ersten Senkung gerechnet. Trifft das zu, könnte die EZB, die normalerweise der US-Notenbank Fed mit ihrer Zinspolitik hinterherhinkt, beim Zinssenken diesmal schneller sein als die Fed.

Denn hohe Zinsen können zwar dabei helfen, die Inflation nach unten zu drücken, sie haben aber auch negative Auswirkungen auf die Konjunktur und die Nachfrage. Im dritten Quartal war die Wirtschaftsleistung der Eurozone bereits um 0,1 Prozent rückläufig. Geht die Wirtschaftsleistung im laufenden vierten Quartal abermals zurück, spricht man von einer sogenannten technischen Rezession. Kreditnehmer – insbesondere solche mit variabel verzinsten Krediten – müssen tiefer in die Tasche greifen. Auf Aktien und Anleihen haben steigende Zinsen auch meist ungünstige Auswirkungen. Nur Sparer erhalten etwas höhere Zinsen als noch vor einem Jahr.

Inflationsgefahr nicht gebannt

Einige Ökonomen bezweifeln, dass die Inflationsgefahr bereits gebannt ist. Dass die Teuerungsrate zurückgeht, ist mehreren Faktoren geschuldet: Erstens gibt es den Basiseffekt: Da die Inflationsrate im Jahresabstand gemessen wird und die Preise bereits im Vorjahr hoch waren, ist der weitere Anstieg um 2,4 Prozent von einem entsprechend hohen Niveau aus erfolgt. Außerdem haben sich die Lieferschwierigkeiten nach der Coronakrise entspannt, auch der Ölpreis ist seit Mitte 2022 zurückgegangen. Die Kerninflation (ohne Energie und Nahrungsmittel) lag zuletzt noch bei 3,6 Prozent.

Indes hat die EZB neben den Zinsen noch ein geldpolitisches Rädchen, an dem sie drehen kann: Sie kann Anleihen kaufen (was für mehr Liquidität an den Finanzmärkten sorgt) und verkaufen (was den gegenteiligen Effekt hat). Im Zuge der Coronakrise hat die EZB massiv Anleihen gekauft. Damit hat sie heuer sukzessive aufgehört, doch werden die Anleihen aus dem Pandemie-Anleihekaufprogramm PEPP noch ersetzt, wenn sie auslaufen. Solche Reinvestitionen sollen ab dem zweiten Halbjahr nicht mehr erfolgen, die Anleihebestände sollen dann um 7,5 Milliarden Euro pro Monat reduziert werden.

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.