Bühne

„Lass uns die Welt vergessen“: Als die Nazis über die Volksoper hereinbrachen

Wann beginnt Kollaboration? Erschreckend aktuelle Fragen in der Volksoper. 
Wann beginnt Kollaboration? Erschreckend aktuelle Fragen in der Volksoper. APA / Volksoper Wien/ Barbara Palffy
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In „Lass uns die Welt vergessen – Volksoper 1938“ behandelt Theu Boermans mithilfe einer historischen Revue-Operette das Schicksal jüdischer Künstler: eine trotz Mängeln lobens- und sehenswerte Uraufführung.

Rings umher die ganze Welt ein süßer Traum!“, trällert das Ensemble. „Toller Text!“, entfährt es Fritz Löhner-Beda trocken. Angesichts der politischen Entwicklungen des Jahres 1938 hören sich die eigenen Gesangsverse mittlerweile wie Hohn an. Zugegeben, das Wörtchen „toll“ in ironisch positiver Verwendung dürfte ein Anachronismus sein. Die Gebrüder Grimm erklärten es seinerzeit noch mit: „des verstandes und bewusztseins beraubt und darnach sich geberdend“. Insofern würde „toll“ im alten Sinne jedenfalls auf die waschechten oder auch nur mitlaufenden Nazis passen, die Mörder, Profiteure und Dulder, die damals auch über die Volksoper hereinbrachen. 

Publikumslieblinge im Jahr 1938

Ein verliebter Witwer, drei heiratsfähige Töchter, eine reiche Amerikanerin und eine verarmte Grafenfamilie, Verkleidungen, amouröse Wirrnisse, gute Laune – dazu eine schmissige Musik, die vom Walzer bis zu jazzig-modernen Tanzrhythmen alle Stückln spielt: Die Proben zur Revue-Operette „Gruß und Kuss aus der Wachau“ laufen erfolgversprechend an der Volksoper unter der Ägide von Alexander Kowalewski. Kurt Breuers Text, angereichert um Hugo Wieners Wortwitz und Löhner-Bedas Verse, zeitgemäß in Musik gesetzt durch den Hitlieferanten Jara Beneš, inszeniert von Routinier Kurt Hesky, auf der Bühne u. a. Publikumsliebling Fritz Imhoff, am Pult der begabte Kurt Herbert Adler – da kann nichts schiefgehen. Oder doch?

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