Anstoß

Paradox des Wintersports

Wintersport der Gegenwart in Oberstdorf, bei der Vierschanzentournee. Die Kulisse ist gleich, nur der Schnee fehlt.
Wintersport der Gegenwart in Oberstdorf, bei der Vierschanzentournee. Die Kulisse ist gleich, nur der Schnee fehlt.Imago / Imago
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Eine weiße Schanze in grüner Natur, und es gibt Applaus?

Wenn es im Allgäu Ende Dezember elf Grad plus hat und Wiesen saftiges Grün zeigen, mag es kaum vorstellbar erscheinen, dass man hier in Oberstdorf mit der Gondel binnen Minuten Skifahren kann, hier ein Winterklassiker mit der 72. Vierschanzentournee anhebt, Eiskunstlauf-Events warten und kilometerlange Loipen nach Touristen schreien. 2023 standen viele mit staunendem Blick rund um die Schattenbergschanze, selten war es in diesem Kur-Idyll um diese Jahreszeit so warm. Und noch nie leuchtete die weiße Anlaufspur des Sprungturms so weiß, rundum konkurrenzlos hervor.

Es ist freilich ein Alarmsignal des Winters, für seinen Sport. Man muss sich Gedanken machen über Pisten oder Loipen, die hier ohne Snowfarming – man sammelt Schnee und kühlt ihn für die nächste Saison ein, die Frage zur Energie-Rationalität ist obskur – kein Auskommen kennen. Bei Schanzen ist schon vorausgedacht mit künstlich-temperierten Keramikspuren oder Kunststofffasermatten, die Schnee ersetzen könnten.

Skispringen fortan als Ganzjahressport mit Extremsport-Charakter zu vermarkten, wäre eine von manch Springer nicht als komplett absurd empfundene Evolution. Der Salzburger Stefan Kraft hätte etwa nichts gegen DJ-Musik und schrille Lichtshow im Auslauf. Flotter und jünger, mehr Anziehungskraft bei der Jugend hätte es – und das hätte diese Wintersportart durchaus nötig. Breitere Aufmerksamkeit wäre damit für den TV-Sektor generierbar und im Zuge dessen neue Geldgeber ansprechbar. Natürlich reichen City-Events nicht, hat der Sommer-GP mehr als nur Aufholbedarf. Aber geht es nach FIS-Rennsportdirektor Sandro Pertile seien das denkbare Optionen.

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