Vierschanzentournee

Der unglückliche Flug ins neue Jahr

Alles ist eine Frage der Perspektive: Manuel Fettner war als Vierter der beste ÖSV-Adler im Neujahrsspringen.
Alles ist eine Frage der Perspektive: Manuel Fettner war als Vierter der beste ÖSV-Adler im Neujahrsspringen.APA
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Vierschanzentournee. Der Slowene Anze Lanisek gewinnt das Neujahrsspringen, die ÖSV-Adler verpassen das Podest – zur Halbzeit hat Stefan Kraft auch die Chance auf den Gesamtsieg verloren.

Garmisch-Partenkirchen. Erst die Philharmoniker, dann die Skispringer: manche Abläufe ändern sich nie. Was jedoch längst nicht mehr so ist, sind lange Partynächte und ausgelassene Silvesterfeiern. Jedes Team nennt vorab eigene Dinner-Wünsche, das eine oder andere Bier ist freilich erlaubt und auch Familienbesuch ist, wie bei den ÖSV-Adlern, stets gewünscht. Zu Mitternacht folgt noch ein Prost, ein kurzer Walzer – und dann ruft schon der Absprung auf dem Gudiberg zum Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen.

2024 hatten die ÖSV-Adler allerdings mit dem Kampf um den Sieg nichts zu tun. Mannschaftlich stark, kompakt mit den Plätzen vier (Manuel Fettner), fünf (Jan Hörl) und sechs (Stefan Kraft), doch zu weit zurück. Im zehnten Saisonbewerb setzte sich Anze Lanisek, der schon die Qualifikation gewinnen hatte durch mit Sprüngen auf 136 und 137 Meter. Dahinter landeten der Japaner Ryoyu Kobayashi (137/135) und der Deutsche Andreas Wellinger (138/137,5), die sich damit im Duell um den Gesamtsieg zur Halbzeit die beste Ausgangsposition geschaffen haben.

Stefan Kraft
Stefan Kraft APA / dpa / Daniel Karmann

Wellinger führt mit 600,7 Zählern und hat 1,8 Punkte Vorsprung. Kraft hat als Dritter bereits über 25 Punkte Rückstand, das scheint zu viel, um noch in Innsbruck (Mittwoch) und Bischofshofen (Samstag) eine Trendwende einzuleiten. Der Pongauer hat als Sechster zwar seinen „Garmisch-Fluch“ platztechnisch beendet, die Tournee hat er trotzdem erneut hier verloren.

»Mit sechsten Platz bin ich zufrieden. Die Tournee ist noch nicht verloren.«

Stefan Kraft

ÖSV-Skispringer

Österreicher im Tief

Mit dem Tourneesieg diesmal nichts tun haben auch Polens Skispringer. Am Neujahrstag war Aleksander Zniszczol als 21. der beste Pole, Das setzt Cheftrainer Thomas Thurnbichler gewaltig unter Druck, chronische Erfolglosigkeit wird in einem sportbegeisterten Land wie Polen, das seit 2017 viermal den Tourneesieger stellte, nicht geduldet. Statt glorreiche Siege zu schildern, muss der 34-jährige Tiroler bittere Misserfolge erklären.

Der Flug ins Menschenmeer von Garmisch.
Der Flug ins Menschenmeer von Garmisch.APA / AFP / Kerstin Joensson

Zu allem Überfluss ist kaum Besserung in Sicht. „In Polen ist der Generationenwechsel übersehen worden“, erklärte Thurnbichler. Superstar Kamil Stoch und Pjotr Zyla sind 36 Jahre alt, Dawid Kubacki ist 33. „Wir versuchen seit einem Jahr, die ersten Schritte einzuleiten. Aber diese Sachen brauchen ihre Zeit“, sagte der ehemalige ÖSV-Springer. „In Wahrheit müssten wir mehr Energie in die Struktur stecken als in den Weltcup.“

Verbandspräsident Adam Malysz steht noch hinter ihm, der Vertrag läuft bis Olympia 2026. Eine personelle Veränderung gab es dennoch; Thurnbichler warf vor Weihnachten Co-Trainer Marc Nölke (einst Co-Trainer von Alexander Pointner) raus.

Halvor Egner Granerud
Halvor Egner Granerud Reuters / Kai Pfaffenbach

Aber auch Alexander Stöckl hat bei dieser Tournee nichts zu lachen. Seine Norweger springen in dieser Saison nur enttäuschend hinterher. Titelverteidiger Halvor Egner Granerud war erneut chancenlos und schaffte es auf dem Gudiberg nicht einmal in den zweiten Durchgang.

Die Veranstalter des Bergiselspringens in Innsbruck am 3. Jänner sowie des Tourneefinales in Bischofshofen am Dreikönigstag stört das nicht, sie erwarten sich trotzdem volle Stadien. Gesamtweltcupleader Kraft und Deutschlands große Chance auf den ersten Tourneesieg seit 2002 durch Wellinger könnten die Zuschauerzahlen im Vergleich zum vergangenen Jahr steigern. Für das Spektakel auf dem Bergisel wurden bis dato 17.000 Tickets verkauft.

Auch bei der Entscheidung in Bischofshofen am Samstag wird Hochbetrieb herrschen. Derzeit sind 10.000 Tickets verkauft, die Paul-Außerleitner-Schanze präsentiert sich nach dem Schneerutsch wieder „fit“. Ob am Dreikönigstag ein Österreicher jubeln kann?

APA

Tournee-Daten

Neujahrsspringen: 1. Lanisek (SLO) 295,8 (136/137) 2. Kobayashi (JAP) 292,6 (137/135,5) 3. Wellinger (GER) 291,4 (138/137,5) 4. Fettner 288,7 (136/138) 5. Hörl 281,4 (140/128,5) 6. Kraft 276,6 (133,5/132).

Tournee-Wertung: Welinger (600,7) vor Kobayashi (598,9) und Kraft (575,5).

Bergisel-Springen, Mittwoch, 14 Uhr.

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