Am Herd

Wer hat noch Angst vor den Coronaleugnern?

Wir haben zu Silvester Covid-Tests gemacht. Zack, war einer positiv. Symptome bekam mein Mann erst im Lauf der Nacht. Glück gehabt?

Nein, ich habe keine große Party ausgerichtet. Ich richte nie große Partys aus. Es war nur eine Minirunde, wir wollten ein bisschen lachen und ein wenig schimpfen, viel diskutieren und uns etwas wünschen, gut essen und nach Mitternacht bald schlafen gehen.

Eine Freundin hatte Covid-Tests mitgebracht. Aus Gründen. Wir haben uns alle brav das Staberl in den Mund gesteckt oder in die Nase oder beides, haben umgerührt und getropft und haben dann dem Ergebnis keine große Beachtung geschenkt, wird schon passen, keiner schnupfte, keiner hustete, keinem kratzte der Hals, und wirklich hätten wir den Strich fast übersehen, so schmal war er, eine dezente rote Linie.

Ja, blöd. Um Mitternacht ging ich mit Maske ins Zimmer meines Mannes und stieß mit ihm an. Da fühlte er sich schon heiß an.

15 Euro für eine Packung mit Tests

Tests und Masken sind fast aus unserem Alltag verschwunden. Sie sind teuer geworden und rar, 15 Euro hat die Freundin für eine Fünferpackung bezahlt. Sie ist eine von denen, die sich besser nicht anstecken sollten. Für jene, die sich besser nicht anstecken sollten, wird im Moment nicht viel getan. Eigentlich nichts. Sich impfen zu lassen wurde einem diesen Herbst und Winter regelrecht schwer gemacht. Paxlovid war zwischendurch kaum erhältlich. Und in den Kindergärten und Schulen stehen nach wie vor keine Luftfilteranlagen. Mir ist das unbegreiflich. Ist es möglich, dass Politiker so viel Angst vor Coronaleugnern haben, dass sie lieber gar nichts tun? Was kann man gegen bessere Luft im Klassenzimmer haben? Sind wir so versessen darauf, diese Pandemie zu vergessen, dass ein Gerät, das uns daran erinnern könnte, dass es diese Krankheit aber noch gibt, zu viel ist? Das ist übrigens die freundliche Erklärung. Die unfreundliche: Die Gesundheit der Kinder ist uns das nicht wert.

Ich habe vor den Weihnachtsferien mit einem Kollegen gesprochen, dessen Tochter wochenlang hustete und fieberte und schwach war. Ich habe ihn gefragt, die wievielte Infektion es denn gewesen sei, und er antwortete: „Ich weiß nicht genau, vermutlich die vierte.“

Husten aus dem Nebenzimmer

Bei uns ist jedenfalls alles gut ausgegangen, ich höre meinen Mann zwar gerade aus dem Arbeitszimmer husten, aber nachdem er vier Tage im Bett verbracht hat, sitzt er wieder an seinem Schreibtisch und denkt sich Gedichte aus. Ich habe mich nicht angesteckt und sonst auch niemand. Ich bin meiner Freundin dankbar, dass sie an die Tests gedacht hat und es ihr nicht unangenehm war, uns zum Testen aufzufordern. So etwas ist auch immer ein Zeichen von Vertrauen.

bettina.eibel-steiner@diepresse.com
www.diepresse.com/amherd

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