Unterwegs

Parksheriffs am Sonntagvormittag

Das Halali der MA-67-Kontrollore: der sonntägliche Klingelbeutel.

Nanu, Parksheriffs am Sonntagvormittag zugange? Ach so, verstehe. Wir befinden uns in der Wiener Vorstadt, in Dornbach und auf dem Rupertiplatz vor der Pfarrkirche hat die MA 67 ein lohnendes Revier für ihr sonntägliches Halali erschlossen: Besucher des Gottesdienstes, die vom Heuberg mit dem Auto heruntergekommen sind und nun in die Kollekte des Magistrats einzahlen dürfen. 

Würden die zwei Beamtinnen etwas länger bleiben, könnten sie sehen, wen sie da mit Anzeigen eindecken: durchwegs alte Menschen, zum Teil mit Gehbehinderung – man kann‘s schon an der Art der Fahrzeuge erkennen (wir sagen Pensiautos dazu).

Kein Auto steht grob vorschriftswidrig geparkt oder so, dass es irgendjemanden behindern würde. Aber zwei Räder außerhalb der Markierung: 68 Euro. Derlei Konfrontation vermeidet das in Europas Städten wohl als einzigartig geltende Kontrollheer (mit fast 700 Angestellten!) natürlich. 

Der auf dem Gehsteig abgestellte E-Scooter bleibt indes unbeanstandet. Wie die ganze Gegend mit ihren Steigungen und Gefällen als Endstation für achtlos oder auch gezielt als Stolperfallen abgestellte E-Scooter dient. Diese Trittbrettfahrer verkehren außerhalb des Rechts (obwohl Kraftfahrzeuge keine Kennzeichen), weil die Stadt Wien Geschäfte mit den Betreibern macht.

Lustig: Wien soll sich 2024 Demokratiehauptstadt nennen dürfen, dabei hätte man gemeint, dass Transparenz dazugehörte.

Bei Transparenz und Bürgerbeteiligung (Paris durfte zum Beispiel über E-Scooter abstimmen) ist Wien aber bekanntermaßen eher Partnerstadt von Moskau.

timo.voelker@diepresse.com

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