Konjunktur

Trübe Lage bei den Handwerkern

APA
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Die Gewerbe- und Handwerksbranche hat sich seit der Pandemie nicht erholt. Besonders die Bauwirtschaft ist gebeutelt. Die Branchenvertreter versuchen das Gute zu sehen.

Es fehle der Schwung, sagt Renate Scheichelbauer-Schuster, Bundessparten-Obfrau für Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) vor Journalistinnen und Journalisten mit Blick auf ihre Branche. Es ist das vierte Jahr in Folge, in dem die Gewerbe- und Handwerksbranche mehrheitliche Umsatzrückgänge verzeichnet – eine Geschäftslage, die so „trist ist, wie im Coronajahr 2020“, zeichnet die Obfrau das Bild. Von einer Erholung seit der Pandemie fehle jede Spur.

Festmachen lässt sich die trübe Stimmung an den Zahlen, die die KMU-Forschung Austria erhoben hat. Diese zeigen, dass die Real-Umsätze der unterschiedlichen Gewerbe- und Handwerksbetriebe seit 2020 im Minus liegen. Hochgesteckte Erwartungen um die Weihnachtszeit hätten sich damit nicht erfüllt, heißt es vonseiten der KMU-Forschung. „Die Zahlen sind, wie sie sind. Da gibt es nichts zu beschönigen.“ Besonders stark hat das Baugewerbe unter den schwachen Auftragseingängen und Umsätzen gelitten. Real gingen dort die Aufträge und Umsätze um 16,7 Prozent zurück.

Große Probleme am Bau

Auch der Ausblick auf 2024 ist noch verhalten und zeigt keine Zeichen für einen Aufschwung. Nur zwölf Prozent der Betriebe erwarten eine Steigerung bei den Umsätzen und Aufträgen, 50 Prozent erwarten eine Stagnation und 38 Prozent glauben an einen weiteren Rückgang.

Eine Revitalisierung der Bauwirtschaft sei für den Sparten-Geschäftsführer Reinhard Kainz enorm wichtig. Er plädiert für schnelle Maßnahmen: „Was heute nicht gebaut wird, treibt die Mieten von morgen in die Höhe“. Er wäre dafür, dass die erst im August 2022 in Kraft getretene KIM-Verordnung, welche die neuen Regeln für eine Kreditvergabe festlegt, gelockert wird. So soll die zulässige Schuldendienstquote von 40 auf 45 Prozent und die Beleihungsquote von 90 auf 95 Prozent angehoben werden. „Das wäre für zwei Verdiener durchaus machbar“, so Kainz.

Auch private Bauwerber könnten steuerlich begünstigt werden, indem 100.000 Euro als Sonderausgabe für die Wohnraumschaffung absetzbar werden. Es könnten aber auch Kredit-Rückzahlungen oder Zinsen steuerlich geltend gemacht werden und Nebenkosten entfallen. Auch Bauträger könnte man steuerlich entlasten, so Kainz. Jegliche Impulse für den Neubau seien notwendig. „Es ist besser, jetzt zu fördern als in ein oder zwei Jahren die Folgen der Lücke finanziell aufzuarbeiten zu müssen.“

Weiterbildung nach Lehre

Auch den Arbeits- und Fachkräftemangel müsse man endlich in den Griff bekommen, so Scheichelbauer-Schuster. Letztendlich „hängt unser Erfolg davon ab, ob wir gute Fachkräfte haben.“ Trotz der beschwerlichen Lage will die Sparten-Obfrau, die selbst einen Elektroninstallationsbetrieb hat, gerade im Hinblick auf die Qualifikation eine positive Entwicklungen betonen.

Sie verweist auf das im Vorjahr beschlossene HBB-Gesetz, das Menschen nach einem Lehrabschluss bessere Fortbildungsmöglichkeit bietet. Dadurch würden sich Qualifikationen erreichen lassen, die mit einem akademischen oder hochschulischen Abschluss gleichzusetzen sind. Konkret betrifft das 1,6 Millionen Menschen in Österreich mit Lehrabschluss, aber auch rund 870.000 Personen mit entsprechender Berufserfahrung.

Auf die Frage, ob angesichts des bevorstehenden Wahlkampfs fördernde Maßnahmen zu erwarten sind, zeigt sich Spartenobfrau Scheichelbauer-Schuster zuversichtlich. „Wir fordern, was wir unbedingt brauchen und das ist Schwung und eine andere Stimmungslage.“

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