Kunst

Verjährungsfrist für Restitution? Für Albertina-Direktor durchaus denkbar

„Warum ad infinitum das offen lassen?“, fragt sich Klaus Albrecht Schröder
„Warum ad infinitum das offen lassen?“, fragt sich Klaus Albrecht SchröderDie Presse/Clemens Fabry
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Man könne Kulturgüter, die von Karl dem Großen erbeutet wurden, nicht zurückgeben, sagt Klaus Albrecht Schröder: „So gesehen bin ich auch der Meinung, dass wir die Schrecken des Zweiten Weltkrieges nach 120 bis 150 Jahren aufgearbeitet und erledigt haben müssen.“

Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder bricht ein Tabu und bringt eine Verjährungsfrist für die Rückgabe von Kulturgütern und Kunstwerken ins Spiel, auch für welche, die von den Nazis geraubt wurden. Den Anstoß für seine Aussage dürfte eine Entscheidung im Fall Grünbaum in New York vor wenigen Tagen sein: Ein Richter entschied dort, dass eine von drei durch die Manhattaner Staatsanwaltschaft beschlagnahmten Schiele-Zeichnungen eben nicht an die Erben übergeben werden muss. 

Die Albertina habe seit Jahrzehnten aktive Provenienzforschung betrieben und Werke, die unrechtmäßig in die Sammlung gelangt waren, zurückgegeben, sagte Schröder nun in einem Interview mit „News“. „Aber warum ad infinitum das offen lassen?“, fragte er sich. Eine Verjährungsfrist könnte „vom heutigen Tag weg etwa in 20, 30 oder 40 Jahren liegen.“

Der Albertina-Chef verwies auf den aktuellen Fall des Parthenon Frieses, der einen diplomatischen Streit zwischen Großbritannien und Griechenland ausgelöst hatte. „Wir können Güter, die durch einen Genozid Karls des Großen in den Sachsenkriegen erbeutet wurden und die heute in verschiedenen Museen der Welt sind, nicht mehr zurückverlangen. So gesehen bin ich auch der Meinung, dass wir die Schrecken des Zweiten Weltkrieges nach 120 bis 150 Jahren aufgearbeitet und erledigt haben müssen.“ (APA)

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