Damen-Tennis: Eine Powerfrau schweigt nicht

Martina Navratilova ist der Topstar beim Wien-Energie-GP, hat in ihrer "definitiv letzten Saison" Großes vor. Sie schwärmt von Maier und "stänkert" laut über die US-Politik.

WIEN. Eine Grande Dame in Wien. Unnahbar, arrogant? Nein, nicht Martina Navratilova, die Tennis-Legende. Eine Powerfrau, die in ihrer Karriere 167 Einzeltitel, 173 Doppel-Turniere, darunter 58 Grand-Slam-Triumphe (18 Einzel, 31 Doppel, 9 Mixed) gewinnen konnte, für 331 Wochen Nr. 1 der Welt war und über 21 Mill. Dollar Preisgelder verdient hat. Für eine Woche ist die 47-jährige Lady nun in der Bundeshauptstadt, als Star des Wien-Energie-GP, den sie im Doppel mit Lisa Raymond (1. Spiel heute) gewinnen will. "Uns geht's um Matchpraxis, wir müssen üben. Für die French Open, den Fed Cup. Und Athen. Olympia ist unser großes Ziel. Hoffentlich klappt's mit der Nominierung!"

Martina war gut gelaunt, ist von Wien begeistert und vom "kleinen Sandplatz" auf der Hohen Warte angetan. An sich hat sie den Tennisschläger ja schon "ein paar Mal" ins Eck gestellt, aber die Freude am Sport, der Reiz am Spiel und zuletzt die Überredungskünste von Lisa Raymond lockten sie zurück auf den Platz. Motiviert sei sie immer noch, auch mit 47. Doch mit Saisonende ist nach 29 Profi-Jahren wirklich Schluss.

"Ich bin topfit. Training und richtige Ernährung über 25 Jahre machen's möglich", warf sie ein und lobte frisches Essen, Gemüse und Rohkost. Was sie anpackt, hat Hand und Fuß, sie macht's ganz oder gar nicht. Dass es ihr schwer gefallen wäre, nach Wien zu kommen, stimme. Vor allem, weil "meine Hunde in Florida bleiben mussten. Aber jetzt bin ich da, es wird Entertainment. Ich werde Schläge zeigen, die ihr noch nie gesehen habt. Ich habe wieder einstudiert, was mir Coach Stefan Ortega vorgegeben hat. Es klappt, ich bin bereit!"

"Für mich ist Hermann Maier bigger als Lance Armstrong!"

Martina Navratilova

Weil sie eben immer alles gibt, wurde sie heuer für den "Laureus-Sports-Awards" nominiert, Kategorie Comeback des Jahres - den Preis aber gewann Hermann Maier. "Ein unglaublicher Mensch, was er geschafft hat ist ein Wahnsinn!" Navratilova geriet richtiggehend ins Schwärmen und fügte hinzu, dass der Herminator "viel Glück hatte, aber etwas Großes geschafft hat mit seiner Rückkehr. Für mich ist er bigger als Armstrong!"

Sie wäre nicht Martina Navratilova, hätte sie nicht fast alles bis ins kleinste Detail ausgearbeitet. So wie sie Tennis spielt, lebt sie auch. Offensiv, ehrlich - aus ihrer (lesbischen) Neigung machte sie einen Hehl. Im Oktober 1956 wurde sie in Prag geboren, seit 1975 lebt die 1,73-m-Linkshänderin in Amerika. Sie hatte genug vom Kommunismus, packte die sich bietende Chance nach den US Open schlichtweg am Schopf. Sie liebt Amerika, lässt jedoch an der Bush-Regierung nicht ein gutes Haar.

Vieles, sagt Martina mit ernstem Blick, würde sie heute wieder an "Kommunismus erinnern. So wie in der CSSR!" Tschechien hätte jetzt seine Chance in Europa, "das ist toll. Aber was in Amerika seit 9/11 passiert, ist schrecklich." Jedes Thema, angefangen bei den Kyoto-Protokollen, der Nuklear-Politik, Afghanistan und Irak werde hinter der "Security-Excuse" versteckt. Ausreden, basierend auf Sicherheits-Angelegenheiten. "Verrückt, was ist jetzt richtig, was falsch?" Um jede News großer Bahnhof gemacht, jedoch medial nie die volle Wahrheit bekannt gegeben. "Es wird alles kontrolliert, manipuliert - das ist falsch!" Sie sagt's wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Auf gezielte Hinweise, doch aufzupassen was sie denn sage, verzichtet sie dankend. "Ich bin ein Bush-Gegner, dazu stehe ich auch! Na und, ich lebe in einer Demokratie. Oder?"

Navratilova war in Fahrt gekommen, blieb aber bei ihrer Meinung. Und ihrer Liebe zum Tennis. "Dieses Jahr noch, dann . . ." An der Karriere nach der Karriere bastelt sie freilich schon. "Vielleicht in der Tennis-Politik. Oder in einer Charity- oder Gay-Bewegung. We'll see!"

Wien-ENERGIE-grand Prix Qualifikation, 2. Runde: Kucova (Slk) - Fauth (Ö) 6:2, 1:0 w.o.


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.