Soziologie

Wie okay sind die Boomer?

Fit und mit Sneakern geht es ab in den Ruhestand: ein typischer Boomer.
Fit und mit Sneakern geht es ab in den Ruhestand: ein typischer Boomer.Getty
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Witzfiguren oder souveräne Stützen der Gesellschaft? Die Babyboomer sind in die Jahre gekommen – und ins Visier der Jungen. Der bekannte deutsche Soziologe Heinz Bude, einer der ihren, hat ihnen ein einfühlsames Generationenporträt gewidmet.

Es ist noch nicht lang her, da hießen sie Babyboomer. Das hatte etwas Frisches, Unbeschwertes, es klang nach rosigen Wangen und einer ungewissen, aber beherzt anzupackenden Zukunft. Jetzt sind sie um die 60, und das Baby ist weg. Die Jungen sagen nur noch „Boomer“, stellen ein „Okay“ davor und verdrehen dazu genervt die Augen. Soll heißen: Ihr habt lang genug das Sagen gehabt, ihr könnt abtreten. Bei den durch Klimasorgen Aktivierten schwingt mit: Ihr solltet euch was schämen, weil ihr uns einen überhitzen Planeten hinterlasst.

Auf diesem Ohr aber sind Boomer meist taub. Nicht, weil ihnen das ökologische Gewissen fehlte. Von wegen: Sie haben Tschernobyl überstanden, das Waldsterben und das Ozonloch. Aber es kam ihnen nie in den Sinn, andere Altersgruppen anzuklagen, so wie vor ihnen die 68er, die mit ihren Eltern abgerechnet hatten, den früheren Flakhelfern und Jungmädels. Nein, sie fühlten sich stets selbst verantwortlich dafür, etwas Neues auf die Beine zu stellen. Dem Ideal nach blieben sie dabei auch sich selbst gegenüber skeptisch und ironisch. Deshalb fühlen sie sich heute ihrerseits vom prinzipientreuen Gesudere ihrer Nachkommen genervt. So reden Alt und Jung routiniert aneinander vorbei. Wer hilft? Vielleicht der Boomer Bude.

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