Reportage von der Front

Granatwerfer und „Hexendrohnen“: Wie Ukrainer die Russen in Schach halten wollen

Kampf gegen Russlands Truppen. Soldaten der Khartia-Brigade an ihrem Granatwerfer.
Kampf gegen Russlands Truppen. Soldaten der Khartia-Brigade an ihrem Granatwerfer.Ricardo Garcia Vilanova
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40.000 Soldaten hat Russland in der Region Luhansk für eine neue Offensive zusammengezogen. Die ukrainische Khartia Brigade hält hier die Stellung und setzt die Russen mit neuen Waffen unter Druck. Die „Presse“ hat sie in ihrem Versteck im Wald besucht.

Bei Einbruch der Nacht erreicht der Nissan-Pick-up den Wald von Serebryansky. Es ist ein Allrad-Geländewagen, aber den oft metertiefen Matsch schafft das Fahrzeug nur mühsam im Schritttempo. Vor Tagen lag noch Schnee. Jetzt sind die Erdlöcher mit Wasser vollgelaufen, das wie Fontänen gegen die Scheiben spritzt. Die Fahrt ist ein wildes Schaukeln auf den vom ukrainischen Militär angelegten Pisten. Labyrinthartig und ohne erkennbares Ziel führen sie durch das Gewirr riesiger Kiefern. Kommandant Baku der Khartia-Brigade sitzt mit Helm und Schutzweste auf dem Beifahrersitz und dirigiert mithilfe eines GPS-Geräts. Er hat den Namen der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku als seinen Funkcode gewählt, weil seine Familie aus Bergkarabach stammt. Der erst 23-Jährige begleitet vier seiner Soldaten zur Wachablösung einer Granatwerferstellung, für die er verantwortlich ist. Heute will er einen der Soldaten überraschen, der Geburtstag hat. Je tiefer es in den Wald geht, umso lauter wird das Donnern der ukrainischen Artillerie. Fast klingt es wie ein Konzert von Geschützen, die aus allen Richtungen abwechselnd immer wieder feuern. Plötzlich blinkt eine Lampe kurz hintereinander in der Dunkelheit. „Verkehrsstau“, sagt Baku lachend. Danach rollen zwei Panzer vorbei, und die Fahrt geht weiter.

Russen ziehen 500 Panzer zusammen

Im Serebryansky-Wald verläuft die Frontlinie im Oblast Luhansk. Die Bewaldung reicht bis in das Stadtgebiet von Kreminna hinein, das von der russischen Armee besetzt ist. Moskau soll in diesem Gebiet in der Ostukraine bis zum 100 Kilometer weiter nördlich gelegenen Kupjansk 40.000 Soldaten mit 500 Panzern zusammengezogen haben.

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