Das Museum moderner Kunst zeigt ab Freitag ein "Best of" von Gerwald Rockenschaub. Ein Blitzgespräch mit dem Künstler und Elektronik-DJ.
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er Anzug sitzt etwas zu perfekt. Es wundert einen nicht. Gerwald Ro ckenschaub ist ein schon fast un angenehm präziser Künstler. Doch das muss man wahrscheinlich sein, um in der postmodernen Beliebigkeit längerfristig Erfolg zu haben. Das Museum moderner Kunst hat den 1952 in Linz geborenen Wahl-Berliner für eine Retrospektive nach Wien zurückgeholt. Wer jetzt hofft, sein bildnerisches Werk chronologisch aufbereitet konsumieren zu können, wird sich wundern. Arbeit ist angesagt. Wie die Gymnasiallehrer sagen: Aktiv mitarbeiten!
Wie hätte ein Überblick über jeweils ortsspezifische Installationen auch funktionieren können? Rein dokumentarisch? Das konnte zwangsläufig nur zu einer völlig neuen ortsspezifischen Installation führen. Wie aus einem Modulkasten nimmt Rockenschaub seine Prototypen: transparente, aufgeblasene Plastik-Kuben, starre Acrylglas-Kuben, schimmernde Plastik-Vorhänge, kalte Aluminium-Leitern, warme Holzbänke, geometrische Animationen.
Rockenschaubs steriles Experimentierlabor ist bereit. Mit einem kleinen Lächeln kann er ab Freitag beobachten, wie sich die Menschen in seiner Versuchsanordnung bewegen. Behaviorismus pur: Wir werden abgetestet auf unsere eingelernten Verhaltensmuster in Museen. Auf die hölzerne Leiter dürfen wir steigen, um über die Wand zu schauen. Auf die metallene nicht. Auf eine Bank dürfen wir uns setzen. Auf das Podest nicht. Vor der roten Absperrkordel müssen wir stehen bleiben. Den versperrten Durchgang zu den Projektionen im Nebenraum können wir umgehen. Das gehört alles dazu zu Rockenschaubs Spiel: "Was darf ich, was darf ich nicht?"
Würde er diese "Retrospektive" als Remix seiner bisherigen Arbeiten bezeichnen? - Schon allein diese sprachliche Assoziation zu seiner anderen Karriere, der als Elektro-Musiker und Techno-DJ, hört Rockenschaub nicht gerne. In erster Linie sei er bildender Künstler, in diese Laufbahn investiere er am meisten Zeit, für Socializing und so - "der Tag hat eben nur 24 Stunden".
Ist Techno nicht schon längst tot? "Nein, er hat sich nur gewandelt", sagt Rockenschaub. Es sei wie in der bildenden Kunst, etwa bei der Malerei - nichts verschwindet total, sondern taucht nur wieder unter, zurück ins Biotop. Der mediale Focus verschiebt sich auf etwas anderes - und irgendwann taucht Malerei oder Techno wieder auf in einem anderen Umfeld, mit anderen, neuen Möglichkeiten. Gemalt hat Rockenschaub aber seit 1987 nicht mehr. Und sieht auch keinen Anlass, damit wieder anzufangen. "Es war ja auch keine Malerei im eigentlichen Sinn, sondern Malerei über Malerei", erklärt er seine reduzierten Neo-Geo-Bildchen, die er Mitte der 80er schuf, als alle anderen neu und wild zu malen begannen. "Dabei bin ich gar nicht gegen die Kommerzialisierung. Aber dadurch wird alles so breit und verarmt gleichzeitig."
In den Neunzigern ließ Rockenschaub das Plattenauflege-Gewerbe noch in Form eigener Installationen in seine Ausstellungen - wie etwa die in der Secession - einfließen, heute trennt er die Bereiche sehr strikt: "Ein Museum ist keine Disco und umgekehrt." Crossover ist zurzeit nicht interessant für ihn. "Das hat nur funktioniert, wie es noch nicht alle gemacht haben." Im Shop allerdings, da liegt seine neue CD auf.
Bis 6. Februar, Di bis So, 10 bis 18 Uhr, Do 10 bis 21 Uhr. Katalog inkl. Werkverzeichnis erscheint beim Verlag Walther König.