Neues Museum, neues Filmfestival, neuer Kulturreferent: Linz will 2009 EU-Kulturhauptstadt werden. Der ORF zieht sich aus der Organisation der Ars Electronica zurück.
"Vernetzen" ist eines seiner Lieblings wörter, Kultur natürlich "sehr, sehr" wichtig und keine zehn Mi nuten können vergehen, ohne dass vorbeigehende Bekannte freundlich begrüßt werden müssen. Das Lächeln sitzt perfekt. Erich Watzl (VP), ein Vollblut-Politiker. Seit den Gemeinderatswahlen im September 2003 amtiert der Jurist als Linzer Vizebürgermeister - und Kulturreferent. Einschlägige Erfahrung habe er während seiner neun Jahre im Büro des ehemaligen Landeshauptmannes und Kulturreferenten Josef Ratzenböck sammeln können. "Die Presse" traf den gebürtigen Urfahraner gleich neben dem alten Linzer Landestheater. "Es gibt hier drei Kategorien von Plätzen: Du siehst, aber hörst nichts, du hörst, aber siehst nichts, und du hörst nichts und siehst nichts", scherzt Watzl. Der geplante Neubau wird ihn wohl noch lange Nächte kosten. Nicht im Theater, wohlgemerkt.
Nachdem die von der FPÖ lancierte Volksabstimmung das ursprüngliche Projekt im Berg "realpolitisch", wie Watzl sagt, verhindert hatte, werden zur Zeit gerade sechs neue Standorte auf ihre Tauglichkeit geprüft. Watzl zählt auf: "Das Urfahraner Jahrmarktgelände, die Lücke im Donaupark zwischen Lentos und Brucknerhaus, die Plätze unterhalb vom Parkbad vor der Eisenbahnbrücke und beim Finanzgebäude, der Blumau/UKH-Bereich, das Hessenplatz-Areal." Im März werde eine Entscheidung erwartet, hofft der Vizebürgermeister. Denn - obwohl er sich dadurch nicht stressen lassen möchte - es wäre doch schön, wenn der Neubau 2009 fertig sei. Denn dann, oder auch ein Jahr später, will Watzl Linz zur europäischen Kulturhauptstadt gepusht haben.
Im Februar soll der Rohentwurf der Bewerbungsunterlagen fertig sein, bis März das Inhaltliche erarbeitet und nach der Sommerpause das fertige Konzept in Wien abgegeben werden - "in der Hoffnung, dass die Entscheidung noch heuer fällt." Neben Linz hat Watzl auch Interessen von Krems/
St. Pölten und Klagenfurt geortet. Die thematischen Schwerpunkte für Linz sieht er im Donauraum und den neuen Technologien. Als Signal in diese Richtung ist auch die Bestellung der "Neue-Medien"-Expertin Stella Rollig zur "Lentos"-Direktorin zu verstehen. Auch in Richtung "praktischer Umsetzung der Geschlechter-Symmetrie". Ein hässliches Wort, wie Watzl zugibt. Gewählt wurde Rollig von einem sechsköpfigen Gremium - alles Männer. Gerade habe man im neuen Museum den 100.000en Besucher gezählt - "die Latte für Rollig ist hoch gelegt."
Eine andere Szene-bekannte Dame wird Linz heuer erstmals ein Filmfestival bescheren. Christine Dollhofer, ehemalige Grazer Diagonale-Intendantin, stampft zu Pfingsten, von 4. bis 9. Mai, mit "Crossing Europe" ein internationales Festival aus dem Boden. "Was Staatssekretär Franz Morak zwar, glaube ich, nicht so ganz gefällt, aber Graz ist eher auf die österreichische Szene ausgerichtet", gibt sich Watzl vorsichtig. Erst Ende November wurde er von Dollhofer kontaktiert, schoss 55.000 Euro zu und freut sich schon - "diese Facette der Kultur hat in Linz noch ein bisserl gefehlt."
Fehlen wird 2004, beim 25-Jahre-Jubiläum der Ars Electronica Anfang September, auch der ORF, der "sich mehr aus dem operativen Bereich herausnimmt", sagt Watzl. Als Medienpartner werde der ORF für Berichterstattung allerdings erhalten bleiben. Eine Folge dieser "Einsparvorgabe" (Watzl) wird sein, dass die Prix-Gala heuer erstmals im Bruckner-Haus und nicht im Landesstudio Oberösterreich stattfinden wird. Beigetragen habe der ORF zwar bisher nur Sachleistungen und Personalkosten. Die Zurücknahme aber bedeute für Land und Stadt sehr wohl mehr Kosten, stellt Watzl fest. Erschüttert ist er nicht. Die Ars Electronica 2009 kommt sicher. Bis dahin wird stahlhart weiter gestrahlt.