Kunstmarkt: Wie viel ist "Der Schrei" wert?

Meisterwerke der Klassischen Moderne erzielen immer höhere Rekorde. Picasso durchbrach heuer die 100-Millionen-Dollar-Grenze.

WIEN. Sie sind rar geworden, die Meisterwerke. Am Kunstmarkt wohlgemerkt, nicht in den Museen. Noch nicht. Die Tendenz geht seit einigen Jahren zu absoluten Spitzenpreisen für absolute Spitzenqualität. Heuer im Mai wurde erstmals die magische 100-Millionen-Dollar-Grenze überschritten: Picassos "Junge mit Pfeife", geschätzt auf mindestens 60 Millionen Euro, wurde bei Sotheby's in New York bei 104 Millionen Dollar zugeschlagen. Picasso verdrängte damit Vincent van Gogh, der seit 1990 mit dem "Porträt des Doktor Gachet" (82,5 Millionen Dollar) den ersten Platz belegt hatte.

Die Klassische Moderne - unter der die Kunstrichtungen des ersten Drittels des 20. Jahrhunderts subsumiert werden und zu der auch Edvard Munch zählt - hat die seit Jahrzehnten den Markt dominierenden Impressionisten endgültig überwältigt. "Eine neue Sammlergeneration löst die alte ab", erklärt Sotheby's-Experte Patrick Legant.

Die Rekordmeldungen der Auktionshäuser lenken naturgemäß das Interesse auch auf die Werte, die in den Museen lagern. Die ideelle und kunsthistorische Bedeutung gelten bei Meisterwerken wie bei Munchs "Der Schrei" zwar als unermesslich, doch selbst für die "Mona Lisa" könne im Fall des Falles ein Preis festgesetzt werden, so Legant: "Gerade nach dem Picasso-Rekord fragt man sich schon, wie viel so ikonische Bilder wie der ,Schrei' oder Klimts Porträt der Adele Bloch-Bauer bringen würden."

So geisterte auch gleich nach dem Raub eine Schätzung für das Gemälde durch die Nachrichtenagenturen: 45 Millionen Euro soll diese kleinere Version des "Schreis" wert sein - die größere derart ausgearbeitete Fassung hängt in der norwegischen Nationalgalerie. "Das ist schon eine stattliche Summe", wundert sich der Experte. Weltweit gäbe es nur eine Handvoll Sammler, die in diesem Segment der Moderne sammeln und derart viel Geld dafür ausgeben.

Den Rekord für ein Gemälde von Munch hält seit 1996 Sotheby's mit 6,2 Millionen € für "Mädchen auf der Brücke". 2002 wurde "Haus un Aasgaardstrand" bei Christie's um 5,8 Millionen € versteigert.

Der höchstgehandelte österreichische Künstler ist Gustav Klimt. Erst im Herbst 2003 erzielte "Landhaus am Attersee" bei Sotheby's den Rekord von 25,4 Millionen €.

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.