Künstlerinnen-Porträt: Am liebsten mit Blindschleiche!

Als bisher jüngste Malerin erhielt Katrin Plavcak den von der BA-CA hoch dotierten Georg-Eisler-Preis.

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ie kommt gerade aus Berlin. Auf ih rem T-Shirt steht "Stets der Zeit vo raus". Und ihr Frühstücksei wird kalt, während sie erzählt. Am Abend wird Katrin Plavcak den Georg-Eisler-Preis 2003 erhalten und mit ihrer Indie-Pop-Band "Blendwerk" den Stuck wie das etwas betagtere Publikum im Oktogon des BA-CA-Hauptgebäudes zum Zittern gebracht haben. Es war nicht gerade ein "quiet riot", wie Plavcak in "Oriental" singt. Macht nichts: "The world outside is still a turnin". Jedenfalls war es ein Auftritt, der den seit 1998 vergebenen Eisler-Preis am Montag lautstark in die Jetztzeit holte.

Ein würdiger Auftritt für die - nach u. a. Leo Zogmayer, Alois Mosbacher - mit 33 bisher jüngste Preisträgerin. In Deutschland geboren wuchs sie in Zeltweg auf - "eine triste Gegend, Arbeitslosigkeit, die Draken - da sind wir eben im Wald abgehangen". Auf der Akademie in Wien erlebte sie ein Kontrastprogramm: Ihre Lehrer waren sowohl noch Hollegha als auch die ihm folgende Gastprofessorin Sue Williams. Und, obwohl die Bilder der jungen Malerin so gegenständlich wirken, wie es zurzeit im allgemeinen Trend liegt, schwingt doch immer etwas Nicht-Fassbares, Irritierendes mit.

Zurzeit lebt Plavcak jedenfalls in Berlin. Nach zehn Jahren in Wien sucht sie dort andere Einflüsse. "Es gibt eine viel gemischtere Kunstszene und sehr viele provisorische Off-Orte". Seit eineinhalb Jahren kann sie von ihrer Kunst leben, vertreten durch die Wiener Galerie Mezzanin. "Das war ein richtiger Kick. Plötzlich konnte ich ganz anders arbeiten. Aber das kann sich wahrscheinlich auch total schnell wieder ändern. Vielleicht sagt in zwei, drei Jahren jeder - phu, Plavcak." Erst einmal hat sich jetzt aber "das Füllhorn über mir ausgeleert": 2002 bekam sie den Anton-Faistauer-Preis für Malerei und den vom Frauenministerium finanzierten Frauen-Kunstpreis. Höhepunkt ist aber der mit 10.900 Euro dotierte Eisler-Preis der BA-CA, einer der höchst dotierten Ankaufspreise in Österreich. Plavcak fühlt sich privilegiert. Erklären kann sie sich ihr Glück nicht wirklich - "es gibt so viele gute junge Maler".

Wie viele Künstler ihrer Generation gehört Plavcak zu den manischen Sammlern und Medienverwertern: In mehreren Ordnern hat sie ein nach Schlagwörtern geordnetes Bilder-Archiv angelegt: aus Zeitungen, Magazinen oder auch selbst Fotografiertes aus dem Fernsehen. Menschen mit Schlangen etwa sind hier ein Thema. Ob sie auch, wie manche Pop-Girlies zurzeit in ihren Videos, mit Boa auftreten würde? "Am liebsten dann noch mit einer Blindschleiche!" Passend wohl zu "Keine Angst", wie die aktuelle CD von "Blendwerk" heißt. Auch in der Preis-Ausstellung im Oktogon trifft man auf ein Bild mit Riesenschlange, die wie eine Trophäe hochgehalten wird. Und in einem Lied kommt sie auch vor, die "große Schlange". Aber eigentlich sind Singen, Texten, Malen getrennt, meint Plavcak - "Wir haben uns nie als Künstlerband gesehen".

Ihre "Anliegen" ziehen sich aber durch alle Bereiche: Soziale Ungerechtigkeiten wie in Südamerika oder Ruanda lassen sie nicht los. Ein Porträt von Markus Omofuma zeigte sie, als sie den "Frauenkunstpreis" erhielt. Ihre letzte Ausstellung in der Galerie Mezzanin nannte sie "Realitätsverlust": Eine Frau im Sommerkleidchen hilft einem Feuerwehrmann einen Waldbrand zu bekämpfen. Realität, gefiltert durch die Medien, wieder gefiltert durch die Malerei. Was bleibt? "Manchmal sehe ich das Ganze nur als Strich-Ansammlung", sagt Plavcak. "Ich will keine großen, dicken Ölschwarten produzieren, die mir dann irgendwann einmal in den Rücken fallen." Zuerst darf die Farbe bei ihr laufen, rinnen, bekommt eine gewisse Autonomie. "Im zweiten Strich halte ich mich dann akribisch an die Grenzen." Durch diese gegensätzliche Malweise will Plavcak Spannung erzeugen. Eine Unruhe. Es funktioniert. In ihren besten Bildern.

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