In den USA wünscht man nicht mehr "Frohe Weihnachten", man könnte ja jemanden beleidigen.
Amerikaner sind politisch sehr korrekte Menschen. Weil es zu Mark Twains Zeiten üblich war, Schwarze als "Nigger" zu bezeichnen, sind in vielen US-Schulen die Bücher über die Abenteuer von Huckleberry Finn verboten, weil das N-Wort vorkommt. Manche Kirchen beten nicht, dass Jesus "zur Rechten Gottes des allmächtigen Vaters" sitzt, weil das Linkshänder verletzen könnte. Jetzt setzt sich langsam die Auffassung durch, dass man nicht "Frohe Weihnachten" wünscht, weil damit Moslems, Buddhisten, Hinduisten, Atheisten, Anarchisten von den Wünschen ausgeschlossen sind.
Das C-Wort (Christmas) ist in Zeitungen und im Fernsehen mittlerweile ähnlich verpönt wie das F-Wort (Fuck). Kein Inserat, keine weihnachtliche Geschichte wünscht "Merry Christmas". Man bedient sich des unverbindlichen "Happy Holidays", denn über die freien Arbeitstage freuen sich alle, unabhängig vom Glaubensbekenntnis. Das Bestreben, möglichst alle und jeden an den Bräuchen teilhaben zu lassen, und zugleich die Angst, irgendwen dabei verletzen zu können, trieben die Organisatoren des "Winterfests" in Wichita (Kansas) jetzt auf eine einmalige Spitze. Denn wie es sich für einen - Entschuldigung für das Wort - Christkindlmarkt gehört, stellte die Stadt einen großen Tannenbaum auf, einen - Entschuldigung - Christbaum.
Für eine Regierung, die für alle Bürger da ist, ist es aber natürlich in den USA denkbar unmöglich, den Baum C-Baum zu nennen. Schließlich hat ja auch der Buddhist und der Moslem mit seinen Steuern das mächtige grüne Ding finanziert. Eine Arbeitsgruppe machte sich also auf die Suche nach einem allgemein akzeptablen Namen: Winterbaum, lautete ein Vorschlag, Feiertagsbaum ein anderer. Bis einer den Sinn des C-Baums genial erfasste und ihn "Gemeinschaftsbaum" taufte. Fortan sollte der - traditionell weihnachtlich geschmückte - Baum also "Community Tree" heißen.
Wichitas Bürgermeister Carlos Mayans aber ist ein unhöflicher Mensch. Er meinte: "Gott ist Gott, ein Christbaum ist ein Christbaum." Diesem Anfall von politischer Inkorrektheit bzw. Vernunft steht ein anderes Beispiel gegenüber: Eine Radiostation überraschte mit einer neuen Version eines Bing Crosby-Lieds: "I'm Dreaming of a White Holiday."