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Taylor Swift und die hartnäckige Inflation

Frau Swift für die Inflation mitverantwortlich zu machen, geht dann doch zu weit.
Frau Swift für die Inflation mitverantwortlich zu machen, geht dann doch zu weit.Imago / Joel Carrett
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Zentralbanker sprechen teils von der „Taylor Swift Inflation“, weil Unterhaltung generell und Konzertkarten speziell zu den Preistreibern zählen. Aber die gute Frau Swift für die Inflation mitverantwortlich zu machen, geht dann doch zu weit.

             

Stefan Riecher
Economist-Korrespondent in New York

Stefan Riecher
 

Einen wunderschönen guten Morgen,

man muss Taylor Swift wirklich nicht mögen. Zuletzt war bekanntlich Super Bowl und mir geht das Theater um den Popstar und ihren verhaltensauffälligen Football-Lover Travis Kelce auf die Nerven. Aber die gute Frau Swift für die Inflation mitverantwortlich zu machen, geht dann doch zu weit. Kein Spaß, Zentralbanker sprechen teils von der „Taylor Swift Inflation“, weil Unterhaltung generell und Konzertkarten speziell zu den Preistreibern zählen.

„Ich erfahre die Taylor Swift Inflation am eigenen Leib“, erklärte Australiens Notenbankchefin Michele Bullock und verwies auf ihre Kinder, die viel Geld für Unterhaltung ausgeben würden. „Es ist klar, dass Taylor Swift für viele Menschen sehr wichtig ist.“ Falls Sie es verpasst haben: Swift machte sich nach dem Super Bowl nach Australien auf, wo sie ihre Eras Tour fortsetzen wird. Tickets werden um 1000 Dollar oder mehr gehandelt. Im Sommer kommt sie übrigens nach Österreich. Das Happel-Stadion wird ausverkauft sein, Armutsdebatte hin oder her.

Jedenfalls scheint es, dass die zu hohe Teuerung immer noch nicht besiegt ist und vielleicht sollten sich die Notenbanker selbst an der Nase nehmen. Dafür, dass sie die Märkte jahrelang mit Geld überschwemmten und die Zinsen zu lange niedrig gehalten haben, kann Swift nichts. Dank der Notenbanken und der bodenlosen Corona-Hilfen der Regierungen ist einfach immer noch sehr viel Bargeld im Umlauf. 

Dauerhafte Inflationsbekämpfung ohne Einbußen für die Bevölkerung ist schwierig. Bedeutend für die globalen Aktienmärkte ist dabei vor allem die US-Inflation und da gab es diese Woche eher schlechte Nachrichten. Die Teuerung belief sich im Jänner auf 3,1 Prozent, weiterhin über dem Ziel der Notenbank Fed von zwei Prozent. Analysten hatten einen Rückgang auf 2,9 Prozent erwartet und so setzte es einen kleinen Dämpfer für Aktionäre, die auf baldige Zinssenkungen gehofft hatten.

Es zeigt sich, dass es scheinbar einfacher war, die Inflation vom Höchstwert von 9,1 Prozent im Juni 2022 in Richtung drei Prozent zu senken — es aber möglicherweise nicht ganz so leicht wird, die Teuerung auf zwei Prozent zu bringen. Das Risiko für Aktionäre bleibt deshalb meiner Meinung nach hoch. Zwar hat die höhere Inflation am Dienstag für eine Verkaufswelle gesorgt, bereits am Mittwoch gab es jedoch wieder ein Plus.

Es scheint, dass die Euphorie derzeit kaum gestoppt werden kann. Das kann man auch positiv deuten. Mittlerweile haben sich die Zinserwartungen der Börsianer an jene der Fed angepasst; die Mehrheit erwartet keine Zinssenkungen für die nächsten beiden Fed-Treffen im März und im Mai. Vor einem Monat deuteten die Futures auf eine 80-prozentige Wahrscheinlichkeit einer Senkung im März hin. Trotz der Verschiebung legten die Indizes in den vergangenen Wochen weiter zu.

Aber was, wenn die Teuerung in den kommenden Monaten nicht in Richtung zwei Prozent sinkt? Wenn sich herausstellt, dass die Inflation eben doch nicht ohne deutlichen Konjunkturrückgang dauerhaft bekämpft werden kann? Grundsätzlich sollten langfristig denkende Anleger, die am Vermögensaufbau interessiert sind, selbstverständlich im Aktienmarkt investiert bleiben. Ein wenig Vorsicht walten zu lassen, könnte sich im aktuellen Umfeld aber allemal lohnen.

Vielleicht wäre es auch eine Idee, nicht 1000 Dollar für Taylor Swift auszugeben. Und das Geld für schlechtere Zeiten oder einen Aktienkauf nach dem nächsten Kursrückgang zurückzulegen.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und eine erfolgreiche nächste Woche.

Stefan Riecher

stefan.riecher@diepresse.com

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