Gipfel

Raab und Plakolm wollen Kinderschutz im Online-Bereich ausbauen

Jugendstaatssekretärin Claudia Plakolm
Jugendstaatssekretärin Claudia PlakolmAPA GEORG HOCHMUTH
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Am Mittwoch findet ein Kinderschutz-Gipfel im Kanzleramt statt. Präventionsmaßnahmen sollen vor allem im Online-Bereich ausgebaut werden. Auch die Verordnung zu verpflichtenden Kinderschutzkonzepten an den Schulen soll demnächst in Begutachtung gehen.

Wie lässt sich der Kinderschutz im Onlinebereich bzw. in Sozialen Medien noch verbessern? Dazu laden am Mittwoch Familienministerin Susanne Raab und Jugendstaatssekretärin Claudia Plakolm (beide ÖVP) zu einem Gipfel im Kanzleramt, an dem NGOs aus dem ehrenamtlichen Bereich mitdiskutieren werden.

„Aus meiner Sicht müssen wir die Präventionsmaßnahmen zum Schutz unserer Kinder im selben Tempo weiter ausbauen, wie bisher, gerade im Onlinebereich. Denn Kindesmissbrauch findet leider nicht nur in der analogen Welt statt, sondern immer öfter in den sozialen Medien und über Messenger-Dienste“, sagte Plakolm im Vorfeld.

Bereits in Ausarbeitung und noch für 2024 geplant ist eine eigene Kinderschutz-Fachstelle gegen sexuelle Gewalt in der digitalen Welt. Umgesetzt wird sie vom Österreichischen Institut für angewandte Telekommunikation (ÖIAT). Das ÖIAT ist ein gemeinnütziger Verein, der unter anderem die Initiative Saferinternet.at umsetzt. Das Angebot der Fachstelle wird sich gezielt an Kinderschutzorganisationen, Jugendarbeiter und Pädagogen richten. Geplant sind Fortbildungen im Online-Bereich, Vernetzung und Bereitstellung von Inhalte und Fachinformationen sowie die Beantwortung von fachlichen Anfragen und Unterstützung bei der Berücksichtigung von Digitalisierung bei Kinderschutzkonzepten. Das neue Projekt von saferinternet.at gegen sexuelle Gewalt in der digitalen Welt werde ein ganz zentraler Baustein im Kampf gegen Kindesmissbrauch werden“, sagt Plakolm.

Auch die Mittel für den Kinderschutz werden erhöht, das Bundeskanzleramt verdoppelt laut Familienministerin Susanne Raab (ÖVP) die Förderungen auf 1,2 Million Euro. Das wird in einer neuen Sonderrichtlinie festgelegt. Gefördert werden sollen insbesondere Organisationen, die Kinderschutzkonzepte umsetzen, aber etwa auch Anlaufstellen für betroffene Kinder und Jugendliche oder Organisationen, die im Gewalt- oder Opferschutzbereich tätig sin

Weil die Maßnahmen aber nur dann greifen würden, wenn es eine enge Zusammenarbeit aller Akteurinnen und Akteure gibt, wurde der Kinderschutzgipfel im Bundeskanzleramt organisiert, um jenen zuzuhören, die direkt mit Betroffenen zu tun haben und neue Konzepte umsetzen - also mit Vertreterinnen und Vertretern von Jugend- und Sportorganisationen sowie Kinderschutzzentren.

Letztere werden am Mittwoch den Fortschritt beim Aufbau der „Qualitätssicherungsstelle Kinderschutz„ präsentieren. Die unabhängige „Qualitätssicherungsstelle Kinderschutz„ wird für die Beratung, Verleihung und Rezertifizierung von Kinderschutzkonzepten zuständig sein. Vereine und Organisationen können zukünftig bei dieser Stelle ihre Kinderschutzkonzepte überprüfen und zertifizieren lassen. „Das soll vor allem auch für Eltern ein Qualitätsmerkmal werden und für Vereine und Organisationen ein sichtbares Zeichen, dass sie sich mit Kinderschutz und Prävention besonders gut auseinandergesetzt haben“, meint Plakolm.

Verordnung vor Begutachtung

Auch die schon seit längerem angekündigte Verordnung zu verpflichtenden Kinderschutzkonzepten an Schulen soll demnächst in Begutachtung gehen. Das kündigte Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) am Dienstag bei einer Pressekonferenz an. In Kraft treten soll die Verpflichtung mit dem Schuljahr 2024/25.

Unter anderem soll es Musterkonzepte geben, die die Schulen dann an ihren individuellen Standort anpassen müssen. „Der Aufwand für die Schulen soll so gering wie möglich gehalten werden“, so Polaschek. So müssen Schulen etwa für sich klären, ob es auf ihrem Gelände schlecht ausgeleuchtete Gänge oder nicht einsehbare Ecken gibt. Außerdem müssen klare Entscheidungsketten bei Verdachtsfällen geschaffen und konkrete Ansprechpersonen genannt werden.

Schülerinnen und Schüler sollen durch die Kinderschutzkonzepte besser vor physischer, psychischer und sexualisierter Gewalt an Schulen geschützt werden. Konkret geplant sind ein Verhaltenskodex, eine Risikoanalyse, Kinderschutzteams an jedem Standort und die Festlegung, wie bei möglichen Gefährdungen vorgegangen wird. Interessensvertretungen wie die Kinder- und Jugendanwaltschaften haben zuletzt allerdings davor gewarnt, dass ein effektiver Kinderschutz nur mit zusätzlichen Ressourcen für die Schulen möglich sei.

Auf „Presse“-Nachfrage, ob es ähnliche Konzepte nicht auch in auch in Sportvereinen, Kirchengemeinden, etc. brauche, sagt Plakolm, davon halte sie nichts. „Trauriges Faktum ist, dass vier von fünf Kindern in der eigenen Familie sexuell missbraucht werden, vom engsten Umfeld – nicht im Sportverein oder bei der Theaterprobe. Da müssen wir noch viel genauer hinsehen als Gesellschaft.“ Gesetzliche Regelungen zu mehr Sorgfaltspflicht von großen Online-Unternehmen brauche es genauso wie „mehr Medienkompetenz bei Kindern selbst und mehr Wissen bei Eltern und Pädagogen, was Kinder auf Social Media tun.“  (red./APA)

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